London: pulsierend, lebendig und ganz schön teuer

Die Heimatstadt der Queen kann man meiner Erfahrung nach, am besten als pulsierend und lebendig beschreiben. Allem voran gesagt sei trotzdem eines: das Leben in London ist teuer. Wer sich da nicht zu helfen weiß, knabbert schnell am Hungertuch – und meint, auf das ganze Leben da draußen verzichten zu müssen. Theater oder Ballett, Musicals, Filmvorführungen im Vintage-Kino oder mit Motto, Gärten, Lichtershows und Galerien, versteckte grüne Plätze und Märkte in verwinkelten Straßen: London hat mehr zu bieten als den Buckingham Palace, Big Ben und die Tower Bridge. Wer es richtig anstellt, entdeckt hier jeden Tag etwas Neues. Nur – wie macht man das in einer Stadt, in der die wöchentliche Miete den Großteil des monatlichen Erasmus-Beitrags verschlingt?

Ich studiere am London College of Communication, weil mich nichts so sehr begeistert, wie das urbane Leben und die Berufsperspektiven in der britischen Metropole.

Vanessa Krug ist Public Relations Studierende im siebten Semester und hat im Wintersemester 2017/2018 ein Auslandssemester am London College of Communication verbracht. Sie berichtet über die Universität und das Leben in London. 

 

Schmerzpunkt 1: Wohnen in London

Für die meisten Internationals fängt das Problem schon im Heimatland an. Wer keine Verwandten in Großbritannien hat, die für einen bürgen können, muss häufig den gesamten Betrag für den Aufenthalt vorab bezahlen. Wehtun kann das vor allem deshalb, weil die Mietkosten in den Kernzonen des Londoner U-Bahn-Netzes die Vorstellungen des durchschnittlichen Stuttgarters bei weitem übersteigen. Generell sind private WGs erschwinglicher als das Studentenwohnheim. Bei der Entscheidung ging es für mich aber letztendlich darum, kein unnötiges Risiko einzugehen. Denn wer die zukünftige WG nicht vorab besichtigt, riskiert Qualitätsmängel und spätere Probleme aller Art. Bei den Studentenwohnheimen dagegen, kann man einen gewissen Mindeststandard erwarten. In vielen Fällen gibt es auch die Möglichkeit, sich zumindest in einem Beispielzimmer per 360 Grad-Sicht umzusehen. Und so hieß es für mich: Augen zu und durch!

Einige Kommilitonen haben es anders gemacht und sind bei privaten Vermietern untergekommen. In jedem Fall gilt: eine Lage direkt am London College of Communication ist nicht zwingend notwendig. Solange sich die Wohnung oder das Zimmer in nächster Nähe einer Tube-Station befindet, ist das Stadtzentrum gut erreichbar. Auch innerhalb der Zone drei kann man so unter Umständen das College und verschiedene Hotspots innerhalb von circa einer halben bis zu einer Stunde erreichen. Das lässt sich auch mit Hilfe von Google Maps austesten.

Schmerzpunkt 2: das endlose Programmangebot

Alles klar, Miete gezahlt, Wohnung bezogen – Zeit, sich als waschechter Londoner ins Großstadtleben zu stürzen! Ein Gutes hat die Vorabüberweisung des gesamten Mietbetrags aber: man braucht sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob das Geld diesen Monat für die Miete reicht oder nicht. Ein üppiges Angebot an schillernden Events in den verschiedensten Teilen der Stadt laden zum Geld ausgeben ein. Galahafte Bälle, kostspielige Nächte in szeneprägenden Clubs und urige Pubs mit herausragender Craft Beer-Auswahl, locken ebenso wie unzählige Weiterbildungs- und Vorlesungsangebote sowie (Kultur-)Festivals mit prominenten Dozenten. Es muss aber nicht immer gleich das teure Musical oder das Konzert eines Weltstars sein. Günstigere und authentischere Alternativen sind beispielsweise Gigs von noch unbekannten Bands im Pub um die Ecke oder Veranstaltungen an den vielen Londoner Universitäten. Statt in die hippe Einkaufsmeile oder teure Boutique zu gehen, einfach mal auf einen der beinahe wöchentlich stattfindenden Vintage Kilo Sales schauen – ja, man zahlt pro Kilo!

Über einfache Mittel wie Facebook stößt man auch auf die ausgefalleneren Londoner Events. Eine Versammlung an einem öffentlichen Platz, um gemeinsam „Wow“ nach Art des US-Schauspielers Owen Wilson auszurufen, ein gemeinsamer Spaziergang interessierter Dackelbesitzer, oder ein Tag an dem dazu aufgefordert wird, untenrum nur in Unterhose bekleidet Tube zu fahren – kein Vorwand erscheint den Londonern zu klein, um dafür ein Treffen oder eine Aktion zu organisieren. Und das Ganze ist kostenlos. Aber auch unzählige geführte Touren durch die City kosten nichts. Beinahe sämtliche Museen und Ausstellungsorte Londons bieten zumindest einen Teil der Ausstellungen gratis an. Darunter fallen unter anderem das renommierte Tate Britain und das Tate Modern, die Saatchi Gallery und die Royal Academy of Arts oder auch das Natural History – und das British Museum.

Fürs Abendprogramm ist es übrigens hilfreich, mithilfe von Apps wie Fatsoma oder EventBrite vorauszuplanen: für einige Clubabende gibt es Karten nur im Voraus, und mit Early Bird Tickets kann man sich günstigere Tickets sichern. In Sachen Weiterbildung bietet auch die Universität Kurse zu unterschiedlichen relevanten Interessen und Fähigkeiten an. Der Blick aufs schwarze Brett und die Universitätswebsite helfen, das Passende zu finden.

mein Tipp
Weitere praktische Tipps für den Geldbeutel finden sich übrigens auch im International Students Guide des LCC, den Austauschstudenten vor Semesterbeginn per E-Mail erhalten. 

Schmerzpunkt 3: Transport

Voraussetzung für all dies ist es natürlich, von A nach B zu kommen. Beim Londoner Verkehrsaufkommen ist die Tube, das älteste U-Bahn-System der Welt, für die meisten Einwohner unverzichtbar. Aber die Bahn hat ihren Preis. Busse kosten dafür deutlich weniger Geld. Die Reise mit den roten Doppeldeckern kann allerdings leicht im alltäglichen Stau enden. Die Entscheidung zwischen den Verkehrsmitteln ist daher ein ständiges Abwiegen zwischen Zeit- und Preisvorteil. Viele Londoner greifen zur Oyster Card, einer Lösung auf Pay-As-You-Go-Lösung, oder sie bezahlen per kontaktloser Kreditkarte, um sich in der U-Bahn oder im Bus einzustempeln. Für beides wird derselbe Preis berechnet, der übrigens nie den Preis für ein Tagesticket übersteigt. Die Student Oyster Card, die die Fahrten vergünstigt, kann jeder Londoner Student auf der Website des Transport for London (TfL) beantragen. Trotzdem bieten sich unter Umständen zonenbegrenzte Monatskarten, reine Busfahrttickets oder andere Optionen eher an.

Auszeit vom Leben in der Metropole gefällig?

Wer in London lebt, der profitiert auch von den Verkehrsanbindungen in die unzähligen britischen Städte in der Umgebung. Brighton, Oxford oder Cambridge sind drei der Orte, die nicht allzu weit entfernt liegen. Auch Städte wie Hastings, Canterbury, Southampton, Bournemouth, Dover oder Weymouth eignen sich für Tagesausflüge oder Wochenendtrips. Wer zur richtigen Zeit den Reisebus bucht, kommt da auch mal mit 20 Pfund für Hin- und Rückfahrt aus. Die schnelleren Züge kosten mitunter das Dreifache.

Essen – Lebenserhaltungskosten versus Freizeitgestaltung

Aber zurück nach London – wie war das noch, in England sei man ja generell diesen einheitlichen „Pub-Fraß“ gewohnt?Nichts da von wegen Fish & Chips, gebackene Bohnen und Burger: das kulinarische Angebot in der Großstadt ist um einiges vielfältiger. Und es unterscheidet sich auch von der gewohnten Auswahl in Stuttgart, wo man eher zwischen Fast Food wie Burger, Döner, Chinesisch oder Pizza entscheidet. Nein, hier gibt es zusätzlich zu landestypischer Küche auch Vietnamesisch, Libanesisch & Co. Natürlich ist es da schwierig, der Gelegenheit zu entsagen. Aber das frische Kochen lohnt sich und hat mir persönlich vor allem in den ersten Monaten sehr viel Spaß gemacht. Außerdem spart man dabei eine Menge Geld, das man für andere Erlebnisse ausgeben kann. Der Einkauf bei Lidl oder Aldi (jawohl, die gibt es hier!) kostet übrigens deutlich weniger als bei Tesco’s, Sainsbury’s und Co. Sparfüchse lassen die Finger von Waitrose und Marks & Spencer, den Supermarktketten im High-End-Bereich. Auf dem Markt sind vor allem Früchte sehr viel preiswerter zu haben.

Kleines Pflaster Nebenjob?

Ich persönlich halte es übrigens für gut möglich, sich neben dem Studium am London College of Communications etwas hinzuzuverdienen. Dennoch habe ich mich dagegen entschieden. Aus einem ganz einfachen Grund: London will entdeckt werden! Und dafür lässt sich ohnehin niemals genügend Zeit finden.

Das Abenteuer im Blick behalten

Mein persönlicher Tipp ist daher, nicht an den Erlebnissen zu sparen, sondern am Geld für Materielles. Und sich dabei das ein oder andere guten Gewissens zu gönnen. Die Literaturfestivals mit prominenten Sprechern, Psychologie-Abendvorlesungen von Professoren aus Oxford oder Cambridge oder auch der wohlverdiente Feierabend-Pint – einige Ausgaben für den ganz kleinen Luxus, sind es meiner Meinung nach einfach wert.

Auf einen Blick: das London College of Communication

Auf einen Blick: Das London College of Communication der University of the Arts in London: eines der sechs Colleges der Universität, die immer wieder Alumni von Rang und Namen hervorbringt – vor allem in der Modebranche.
Stadt: London – Weltstadt und Metropole und damit auch Heimatstadt unzähliger Kommunikationsagenturen!
Highlights: wöchentliche Gastvorlesungen diverser Speaker aus dem PR-Business zählen zum freiwilligen Angebot des Colleges. Genauso locken kostenlose Weiterentwicklungs- und Fortbildungsangebote zu Arbeitsstil, Zielerreichung, Stressmanagement und vielem mehr.
Kosten: mit der Erasmus-Förderung entfallen hier die extrem hohen Studiengebühren in Großbritannien. Dass die Lebenserhaltungskosten in London hoch sind, ist aber kein Geheimnis.
besser nicht: die Vorlesungen schwänzen, denn die geforderte Präsenzzeit am LCC ist sowieso vergleichsweise gering.

Fragen zur Universitat Pompeu Fabra oder Barcelona? Antworten gibt es bei Vanessa (vk038@hdm-stuttgart.de)!

About CR/PR-Internationals

Austauschstudierende des Studiengangs Crossmedia-Redaktion und Public Relations veröffentlichen hier Beiträge aus der ganzen Welt unter dem Motto: Auslandssemester hautnah!