DPRG-Preisträgerin Luisa Maria Gigler im Interview: „Auf die Bachelorarbeit Lust haben und dann wird das schon!“

Luisa Maria Gigler, Absolventin des Studiengangs Werbung und Marktkommunikation mit Vertiefung PR, hat Ende April für ihre Bachelorarbeit den Wissenschaftspreis der DPRG erhalten. Wie es dazu kam und was ihre Arbeit besonders macht, erzählt sie uns im Interview.

Am 26. April 2018 erhielt Luisa Maria Gigler im Rahmen der Gala zum Internationalen Deutschen PR-Preis in München den Wissenschaftspreis für ihre Bachelorarbeit. (Quelle: DPRG)

Luisa – wie ging es dir, als du erfahren hast, dass du den Preis bekommst?

Es war total komisch. Ich hatte mich im November letzten Jahres beworben, ohne jede Ahnung, wann eine Rückmeldung kommen würde. Die Benachrichtigung kam im Februar per Mail. Ich saß gerade in einer Vorlesung, als ich sie gelesen habe. Das war einfach nur verrückt, weil… – weil ich wirklich irgendwie so gar nicht damit gerechnet hatte!

„Meine Oma zum Beispiel kam gar nicht mehr klar.“

Ich habe mich unglaublich gefreut, aber ich durfte es eigentlich auch noch niemandem sagen. Auch nicht den Professoren und auch nicht meinem Betreuer bei der Bachelorarbeit, Herrn Sandhu. Im April war endlich die Preisverleihung und erst, als wir uns an ebendem Abend gesehen haben, habe ich ihm Bescheid gesagt! Nur meiner Familie habe ich es im Voraus verraten und sie haben sich riesig mitgefreut. Meine Oma zum Beispiel kam gar nicht mehr klar, das war superlustig.

Du hast also so gar nicht damit gerechnet – hört sich dann nicht so an, als wäre die Bewerbung deine Idee gewesen?

Mein Erstbetreuer für die Bachelorarbeit war wie gesagt Herr Sandhu. Und der war es auch, der die Bewerbung vorgeschlagen hat. Direkt nachdem er sie gelesen hat, meinte er, das solle ich auf jeden Fall versuchen. Als dann im November die Bewerbungsfrist näher gerückt ist, hat er mich auch nochmal daran erinnert – und da habe ich es dann auch gemacht.

Herr Sandhu sitzt als engagiertes DPRG-Mitglied selbst in der Jury für den Wissenschaftspreis…

Genau, aber wenn eine eigene Bachelorarbeit unter den Einreichungen ist, bewerten diejenigen Professoren nicht mit. Da müssen sie sich raushalten.

Offenbar hatte Herr Sandhu aber einen guten Riecher. Worum ging es denn in der Arbeit, die die DPRG-Jury begeistert hat?

Ich habe mich mit PR-Agenturen beschäftigt und damit, ob und wie sie ihre Identität konstruieren. Dazu habe ich mir die Websites der damals genau 38 Mitgliedsagenturen der DPRA angeschaut. Wie stellen sie sich selbst vor? Wie präsentieren sie sich, wie drücken sie quasi ihre Identität aus?

Anhand der Gemeinsamkeiten und Unterschiede wollte ich herausfinden, ob man den PR-Agenturmarkt auf Basis des Selbstverständnisses der jeweiligen Agenturen strukturieren kann.

Was hast du herausgefunden?

Letztendlich konnte ich ein Positionierungskreuz aufstellen, das vier Prototypen von Agenturen ausgewiesen hat. Horizontal zwei entgegengesetzte Pole und vertikal genauso. Der eine Parameter war zum Beispiel der Spezialisierungsgrad: Ob sich die Agentur als PR-Agentur ausweist oder sich allgemeiner als Kommunikationsagentur versteht. Und alle untersuchten Agenturen haben sich quasi entlang dieses Positionierungskreuzes aufgestellt.

So habe ich die Parameter identifizieren können, die die Identität einer Agentur ausmachen.

Das ist wirklich interessant! Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Gerade der Spezialisierungsgrad von Agenturen war so ein Punkt, den ich selbst besonders interessant fand. Ich habe Werbung und Marktkommunikation mit dem Schwerpunkt PR studiert. [Anm. d. Red.: vor Einführung des Studiengangs Crossmedia-Redaktion/ Public Relations mit Schwerpunkt PR in seiner aktuellen Form 2015 war es möglich, Werbung und Marktkommunikation mit diesem Schwerpunkt zu studieren. Das war der einzige Weg, sich an der HdM zum PR-Experten ausbilden zu lassen.] Da stand ich immer zwischen PR und Werbung und wir hatten häufig die Diskussion, ob das getrennte Disziplinen sind oder inwiefern sie sich überschneiden. In der Branche ist es immer häufiger Thema, dass beide mehr und mehr miteinander verschmelzen. Da war meine erste Frage: Wie gehen denn Agenturen mit dieser Herausforderung um?

Zur selben Zeit habe ich von einer Kommunikationsagentur erfahren, die das „PR“ aus ihrem Namen genommen hat. Sie haben sich umbenannt und die Fokussierung aus dem Namen genommen.

„Im Nachhinein frage ich mich auch, wie ich darauf gekommen bin.“

Und so sind wir auf das Selbstverständnis dieser Agenturen gekommen. Nicht nur, dass mehrere Kommunikationsdisziplinen miteinander verschmelzen. Auch allgemein gibt es für eine PR-Agentur keine einheitliche Definition. Es kann sich jeder PR-Fachmann nennen oder eine PR-Agentur gründen. Ich fand es spannend, danach zu forschen, ob es denn dann ein einheitliches Selbstverständnis gibt, oder welche verschiedenen Arten es davon gibt und wie sie konstruiert werden.

Es war wirklich total spannend, wie sich nach und nach dieses Thema herauskristallisiert hat.

Der Wissenschaftspreis der DPRG wird an innovative Arbeiten verliehen, die besondere Praxisnähe aufweisen. In deinem Fall wurde aber auch die tiefe theoretische Ausarbeitung gelobt.

Mein Theoriehintergrund war ziemlich breit gefasst. Ich habe mich nicht nur auf das naheliegende konzentriert, wie zum Beispiel auf theoretische Ansätze der Unternehmensidentität. Stattdessen habe ich früher angefangen: Bei der menschlichen Identität. Da habe ich mir verschiedene Konzepte dazu hergenommen, die erklären, wie menschliche Identitäten entstehen. Die hatten zu einem Teil auch ihren Entstehungshintergrund in der Psychologie – und sie haben sich letztendlich gut auf die PR-Agenturen übertragen lassen!

Das hätte ja auch ganz schön schiefgehen können, oder?

Ja! (lacht) Im Nachhinein frage ich mich auch, wie ich darauf gekommen bin.

Die Theorien, die du für deine Bachelorarbeit herangezogen hast – hattet ihr die zuvor im Studiengang gelernt?

Teilweise. Ein paar Dinge, die wir da gelernt haben, haben mich letztendlich zu diesem Bachelorarbeitsthema inspiriert. Natürlich hatten wir in einem völlig anderen Kontext schon die Unternehmensidentität behandelt. Was aber für mich wichtiger war, war die menschliche Identität. Und dazu hatten wir im Rahmen der Kommunikationstheorien etwas behandelt: Menschen stellen sich auch immer selbst dar, egal was sie tun. Und dass immer alles auf einer Bühne passiert.

Man kann nicht nicht kommunizieren…

Ja genau. Jeder inszeniert sich praktisch fortwährend selbst. Diesen Gedanken habe ich quasi aufgegriffen.

„Reinstürzen, Lust drauf haben und dann wird das schon!“

Was rätst du denjenigen, die ganz aktuell ihre Bachelorarbeit anpacken? Gibt es etwas, das du den Thesisgeplagten mit auf den Weg geben kannst?

Auf jeden Fall ein Thema suchen, von dem man weiß, dass man sich jetzt wirklich die nächsten drei Monate lang damit beschäftigen will. Da hat man richtig Lust drauf, da hat man Spaß dran, das findet man selbst absolut interessant. Ich glaube, wenn dieser Interesse- und Spaßfaktor an dem Thema fehlt, dann wird es sehr schwer, motiviert an der Bachelorarbeit dranzubleiben. Man liest wirklich für die Recherche so viel und man beschäftigt sich für eine unglaublich lange Zeit mit dem Thema.

Und auch keine Angst haben! Ich selbst hatte mich vor dem Forschungsteil gefürchtet. Aber man hat dann ja die ganzen drei Monate lang Zeit, sich damit zu beschäftigen – und man ist irgendwann in der Methode drin. Meiner Erfahrung nach hat man hier an der HdM eine super Betreuung. Ich konnte mich immer an meinen Betreuer wenden, wenn es Fragen gab. Von daher: Man muss nicht so viel Angst davor haben. Stattdessen einfach reinstürzen, Lust draufhaben und dann wird das schon. 

 

Luisa hat sich parallel zur Bachelorarbeit um ihre Bewerbung für den Masterstudiengang gekümmert und ist momentan im zweiten Semester des Studiengangs Unternehmenskommunikation an der Hochschule Pforzheim. Im nächsten Semester schreibt sie selbst wieder die nächste wissenschaftliche Arbeit. Und auch für die Zeit danach hat sie schon Pläne gefasst: Es soll ins Ausland gehen. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

About vanessakrug

Vanessa Krug, PR-Studentin im siebten Fachsemester, hat eine Schwäche für Geschichten und Großbritannien. Deshalb erzählt sie auch hier auf dem Blog gerne, wenn sie sich nicht gerade auf Reisen befindet.