CR/PR-Lehrbeauftragter gewinnt Nannenpreis

Sebastian Mondial, Lehrbeauftragter im Fach Datenjournalismus, hat allen Grund zum Feiern. Mit einer investigativen Recherche zum Fall Anis Amri haben er und fünf Kollegen den Nannen-Preis abgeräumt.

Die Preisträger des Nannen-Preises 2018. Sebastian Mondial, siebter von links, lehrt an der Hochschule der Medien. Foto: Alexander Körner/Getty Images for Gruner + Jahr
Die Preisträger des Nannen-Preises 2018. Sebastian Mondial, siebter von links, lehrt an der Hochschule der Medien.
Foto: Alexander Körner/Getty Images for Gruner + Jahr

„Ein Anschlag ist zu erwarten“ heißt das zehnseitige preisgekrönte Stück des Zeit-Investigativteams, an dem Mondial vor allem auf datenjournalistischer Ebene beteiligt war. „Das heißt, ich habe mich darum gekümmert, dass die vorhandenen Daten für meine Kollegen lesbar und somit nutzbar wurden“, sagt der IT-Fachmann.

Alles Facetten des Falls Anis Amri

Sechs Wochen lang arbeitete das Expertenteam Anis Amris‘ Fall auf, der am 19. Dezember 2016 in einen Lkw-Anschlag mit zwölf Toten und etlichen Verletzten auf dem Berliner Breitscheidtplatz mündete. Eine Tragödie, die verhindert hätte werden können, wenn Behörden und zuständige Instanzen rechtzeitig gehandelt hätten. Jedenfalls deuten die Rechercheergebnisse des Journalistenteams darauf hin. „Es gelang uns unter anderem, Ermittlungsunterlagen und Dokumente von Untersuchungsausschüssen auszuwerten, die uns Informanten zugespielt hatten“, erzählt Mondial, der auch mit Studierenden explorativ arbeitet. Zusätzlich suchten die Reporter das direkte Gespräch mit Amris‘ Familie und Freunden.

„Die Recherche war intensiv und an vielen Stellen erschreckend“, erinnert sich der Datenjournalist. Nach und nach deckte das Team immer mehr Behördenfehler auf und sie erschufen ein aufrüttelndes Lesestück, das zu Recht die Aufmerksamkeit der Nannen-Jury weckte. In der Kategorie „Investigative Leistung“ küren die Juroren jedes Jahr journalistische Arbeiten, die unbekannte Fakten, Hintergründe, Zusammenhänge und Machenschaften aufdecken und somit Skandale enthüllen oder Affären ans Licht bringen.

Nannen-Preis macht Mut

Die Entscheidung, dass Mondial und seine Kollegen die begehrte Trophäe zugesprochen bekommen, fiel erst am Abend vor der Preisverleihung. „Alle eingereichten Arbeiten sind außergewöhnlich“, erklärt der HdM-Dozent, „letztlich geht es darum, welche Geschichte am wenigsten Schwächen aufweist.“

Sebastian Mondial freut sich über den Erfolg. Auch, weil er hofft, dass das öffentliche Interesse am Fall Amri eine Veränderung bewirkt, „sodass beim nächsten Mal weniger Fehlentscheidungen getroffen werden.“ Aktuell kümmert sich der Datenjournalist vorrangig um die Lehre – denn die ist ihm zufolge mindestens genauso wichtig, wie kritische Recherchen. Mondial will Nachwuchs-Talenten Mut machen:

„Es wird immer wieder vorkommen, dass Geschichten scheitern. Mit oder ohne Grund. Trotzdem lohnt es sich, weiterzumachen.“ Sebastian Mondial, Lehrbeauftragter an der HdM

Nannen-Preis

Seit 2005 zeichnet das Verlagshaus Gruner + Jahr und das in ihm erscheinende Magazin Stern die besten journalistischen Arbeiten des Jahres aus. In den Kategorien Reportage, Investigative Leistung, Dokumentation, Web-Projekt, Reportage-Fotografie und Inszenierte Fotografie kürt eine aus Chefredakteuren, Reportern und anderen Kreativen bestehende Jury jeweils einen Preisträger. Zusätzlich behält sich die Stern-Chefredakteurin vor, einen Sonder­preis für eine außer­ge­wöhnliche Leistung zu vergeben. Der Nannen-Preis geht auf Henri Nannen, den Gründer des Stern-Magazins zurück, der bereits 1977 den Egon Erwin Kisch Preis für besonders gelungene Reportagen stiftete.

About ronjagysin

Ich studiere Unternehmenskommunikation im Master und liebe es, aus interessanten Facts spannende Geschichten zu formen.