TucTuc und Rikscha – Aline unterwegs in Chennai

In Indien läuft so einiges anders mit dem Straßenverkehr. Schon gleich an unserem ersten Tag hat es uns in Chennai eiskalt erwischt. Wir dachten, wir würden aus dem Flugzeug aussteigen, ein bisschen Geld abheben und mit dem Taxi zur Unterkunft fahren. Die Realität: kein funktionierender Geldautomat, kein Handynetz und kaum Leute, die Englisch sprechen und uns weiterhelfen könnten. Inzwischen kenne ich mich super aus in Chennais Verkehrswelt und teile gerne meine Erfahrungen.

„Ich studiere am Asian College of Journalism in Chennai, weil die Technologie und das Mindset der Menschen in Indien viel fortschrittlicher ist als in Deutschland.“

Autos, Busse, Mopeds und Kühe – auf Chennais Straßen tummelt sich alles, was Platz findet. Crossmedia-Redaktions Studierende Aline Spantig verbringt ein Auslandssemester in der Millionenstadt der Südostküste Indiens und beschreibt hier, wie sie am besten durch den Verkehrsjungle kommt. Alle Beiträge zum Asian College of Journalism gibt es hier.

 

Ein typisches Bild aus den Straßen Chennais. Helme oder Sicherheitsgurte haben sich noch nicht etabliert. I Foto: Aline Spantig

Im Prinzip gibt es neben den öffentlichen Verkehrsmitteln drei taugliche Methoden, um motorisiert durch die Stadt zu kommen: Uber, Ola und Tuctucs. Tuctucs, das sind kleine gelbe Flitzer mit drei Rädern, die typisch für Indien sind. Um einen guten Fahrpreis auszumachen, braucht ist allerdings fast schon ein Diplom im Verhandeln notwendig. Ein Tuctuc zu wählen, dann ein bisschen wie ein Überraschungsei: „Man weiß nie was kriegt“. Entweder es geht schnell und günstig, oder es ergeht einem wie meinem Kommilitonen Marvin Graewert:

Kriminelle Machenschaften: Marvins persönliche Horrostory mit einem Tuctuc-Fahrer. I Quelle: Aline Spantig

Nichtsdestotrotz, Tuctucs können uns schnell und günstig von A nach B bringen. Das Gute ist: Auf Tuctucs musste ich nie warten, irgendwo in Reichweite fährt meistens eines. Zudem kommen die Fahrer direkt auf mich zu. Am Anfang habe ich manche Fahrer als aufdringlich empfunden, sie ließen nicht locker, sind mit dem Tuctuc neben mir hergefahren und haben mir Preise zugerufen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das alles ein Missverständnis war. Es gehört zur Verhandlungstaktik von Indern, betont desinteressiert wegzulaufen, um ein besseres Angebot zu erhalten. Falls jedoch wirklich kein Interesse besteht, gibt es diesen einen Move, mit dem ich: „Nein, danke“, signalisiere:

Der ultimative Move um höfliches Desinteresse zu signalisieren. I Quelle: Marvin Graewert

Tropisches Klima und eine Durchschnittstemperatur von 29 Grad – natürlich habe ich mir keine warmen Klamotten für meine Reise nach Chennai eingepackt. Spätestens in den Taxis von Uber und Ola wurde ich eines Besseren belehrt. Ola ist im Prinzip die indische Version von Uber. Bei beiden Fahrtdiensten waren die Autos manchmal so stark heruntergekühlt, dass die Scheibe von außen beschlug. Ola und Uber kosten vergleichsweise viel. Entfernungen werden meistens in Zeit angegeben und nicht in Kilometern und danach richten sich auch die Preise. Eine Fahrt von 10 Kilometern kostet zu verkehrsberuhigten Zeiten circa 80 Rupien (1,40 €). In der Rush Hour dauert die gleiche Fahrt schnell mal mehrere Stunden und kostet dementsprechend.

Ich kann nur empfehlen, sich schnellsten eine indische Nummer mit Internetpaket zuzulegen, weil die Fahrten nur online und in mit einer App gebucht werden können. Ola funktioniert ausschließlich mit indischer Nummer. Sehr häufig ist es mir passiert, dass die Fahrer nicht losgefahren sind, weil sie noch auf Treffer von anderen Pool-Mitfahrern gewartet haben. Der Standort der Fahrzeuge kann einfach in der App nachverfolgt werden. Ein Anruf mit „Are you coming, Sir“ reicht aus und das Auto setzt sich in Bewegung. Manchmal wissen die Fahrer nicht, wo sie hinkommen sollen, weil die Adresse selbst von Google Maps nicht korrekt anzeigt wird. Wenn mich meine Orientierung und Sprachkenntnisse im Stich gelassen haben, habe ich mein Handy dem nächstbesten Passanten in die Hand gedrückt, der dem Fahrer den Standort erklärte. Das hat immer super funktioniert.

 

Auch wenn Uber und Ola komfortabler sind, Tuctucs sind das authentischere Fortbewegungsmittel. I Foto: Aline Spantig

Was alle oben genannten Fortbewegungsmittel gemeinsam haben, ist, dass die meisten Fahrer eher selten Englisch sprechen. Diese wollen meist wissen, in welchen Stadtteil es gehen soll. Ich bin wirklich froh, dass das Asian College of Journalism in einem Stadtteil liegt, der „Taramani“ heißt –  das ist einfach auszusprechen. Gewohnt haben wir im Stadtteil „Ekkaduthangal“, was ich einfach nie richtig aussprechen konnte, weshalb die Fahrer nicht verstanden haben, wo ich hinwollte. Deshalb ist es wichtig, während der Fahrt selbst ein Auge auf Google Maps zu haben.

Bei Uber und Ola ist das nicht so häufig der Fall, bei Tuctucs jedoch eigentlich immer. Dort haben die Fahrer selten ein Smartphone mit Google Maps. Wenn sie die Endstation nicht kennen, fahren sie einfach erst einmal in den Stadtteil, der ihnen genannt wurde und fragen sich von dort aus weiter durch. Deshalb kann es auch hilfreich sein, einfach mal wild ein paar markante Punkte zu nennen, die in der Umgebung liegen. Meistens wissen die Fahrer dann, wo es hingeht. Tatsächlich funktioniert das alles erstaunlich gut, manchmal bin ich aber an der komplett falschen Stelle gelandet.

Möglicherweise klingt das alles komplizierter als es ist. Auf jeden Fall kam ich immer irgendwie an mein Ziel, habe jedoch meist mehr von der Stadt gesehen, als mir lieb war. Das Tolle an Chennai ist, dass die Menschen sehr hilfsbereit sind. Außerdem ist auf den Straßen immer so viel los, dass es immer irgendjemanden gibt, der gerne beim Übersetzen und Navigieren hilft. Falls es mal länger dauert, ist das auch nicht schlimm. Pünktlichkeit und Zeit sind nicht so wichtig in Indien. Und zur Not hilft immer noch die ultimative und absolut legitime Ausrede, dass eine Kuh den Verkehr blockiert hat.

Good to know: Diese Wegbeschreibung zum College hat mich immer ans Ziel gebracht:

“drop Taramani, opposite road side Indira Nagar train station, cross CIT campus, behind MS Swaminathan Research Foundation.”

 

Auf einen Blick: das Asian College of Journalism Chennai
Hochschule: Asian College of Journalism, eine kleine Uni an der Süstdostküe Indiens
Stadt: riesig, bunt, laut und voller Trubel
Inhalte: ausgelegt auf Journalismus im digitalen Zeitalter, (politsch-historische) Wahlkurse frei wählbar, nichts für PR
Highlights: Berichterstattungs-Exkursion inklusive abenteuerlicher Reise durch Indien im Januar
Kosten: keine Studiengebühren, das Leben ist absolut erschwinglich
Besser nicht: zu viel vom Nachtleben erwarten, aufreizende Kleidung tragen, den Monsun vergessen

Fragen zum Asian College of Journalism und Indien? Antworten gibt es bei Aline (as270@hdm-stuttgart.de) und Marvin (mg145@hdm-stuttgart.de)!

 

About CR/PR-Internationals

Austauschstudierende des Studiengangs Crossmedia-Redaktion und Public Relations veröffentlichen hier Beiträge aus der ganzen Welt unter dem Motto: Auslandssemester hautnah!