Den Weg aus der Krise finden

Katastrophe, Zeitdruck und die Suche nach der Lösung die Krisenkommunikation zählt zu den Königsdisziplinen moderner Kommunikationsarbeit. Wie man im Unternehmen mit einer plötzlichen Krise umgehen kann und welche Hürden dabei zu überwinden sind, konnten die Teilnehmer des zweiten Communication Camp, der Hochschule der Medien (HdM) am vergangenen Wochenende am eigenen Leib erfahren.

„Am Flughafen Pflegel kollidierten am frühen Morgen des 23. Dezember zwei Flugzeuge. Die Kommunikationsexperten des Flughafens stehen vor einer schwierigen Herausforderung, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

In Fünfer- oder Sechsergruppen erarbeiteten die Teilnehmer eine Krisenstrategie. Quelle: Helene Dann
In Fünfer- oder Sechsergruppen erarbeiteten die Teilnehmer eine Krisenstrategie für den imaginären Flughafen Pflegel. Quelle: Munira Bekit

Dies war das Szenario des Communication Camps, das am vergangenen Freitag und Samstag im Neubau der HdM bereits zum zweiten Mal stattfand. Das Krisen Planspiel mit dem Titel Merry Crisis – Leise kriselt der Schnee, wurde durch die Public Relations (PR) Studierenden des vierten Semesters unter Leitung von Swaran Sandhu, Professor für Unternehmenskommunikation mit dem Schwerpunkt Public Relations, organisiert. Unter Druck und in begrenzter Zeit lag es an den 30 Teilnehmern in Teams, eine vorgegebene Krise in der Rolle „Krisenstab des Flughafens“ zu meistern. Dies geschah mittels Pressemitteilungen, Twitter, Videostatement und Journalistentelefonaten. Durch stetig neue Informationen über die Unfallursache, Anrufe der Presse und Angehörigen der Passagiere sowie ein unüberlegtes Statement des betriebseigenen Airport Managers, wurde es dem Krisenteam des Flughafens Pflegel alles andere als leichtgemacht.

24 Stunden Krisen Planspiel

Der offizielle Startschuss zur Veranstaltung wurde am Freitagnachmittag um 16:15 Uhr durch einen Impulsvortrag von Johannes Schumm, dem Pressesprecher des Flughafens Stuttgart, gegeben. Diese Einführung mit aktuellen Fallbeispielen sollte die Teilnehmer, die mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen in das Planspiel gingen, einen Einblick in die Herausforderungen der Krisenkommunikation ermöglichen. „Emotionen sind oft wichtiger als Fakten“, war nur einer der zahlreichen Tipps, die Schumm den Teilnehmern für den nächsten Tag mit auf den Weg gab. In Gruppen eingeteilt, blieb den Studierenden und den Teamchefs des vierten Semesters noch etwas Zeit sich untereinander kennenzulernen, bevor sich der Tag dem Ende zuneigte.

Die "golden hour", welche man früher noch zum Reagieren in einer Krisnsitutation hatte, hat sich in Zeiten von Twitter und Facebook dramatisch verkürzt, erklärt Schumm. Quelle: Helene Dann
Die „golden hour“, welche man früher noch zum Reagieren in einer Krisensitutation hatte, hat sich in Zeiten von Twitter und Facebook dramatisch verkürzt, erklärt Schumm (r.). Quelle: Munira Bekit

Am Freitagmorgen ging es für die Teilnehmer nach einem kurzen Briefing direkt ans Werk. Einige Stunden mussten die vielfältigen Herausforderungen unter Stress bewältigt werden, bis es nach einer Mittagspause zur finalen Abgabe und darauffolgendem Feedback durch erfahrene Kommunikationsexperten kam. In einer gemeinsamen Reflexion durften daraufhin Erfahrungen geteilt und Feedback an die Veranstalter gegeben werden. Daniel Rottinger ist PR-Studierender im zweiten Semester und hat das Communicaton Camp als Teilnehmer erlebt. Er berichtet: „Es ist toll, so ein Szenario in der Praxis austesten zu können. Ich habe vor allem den Faktor Zeit unterschätzt.“

Neue Idee, bekanntes Format

Die Idee zu einem Krisen Planspiel entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung „Aktuelle Themen“, die für PR-Vertiefer im vierten Semester zu den Pflichtveranstaltungen gehört. Dabei können die Studierenden ein Event zu einem frei wählbaren Thema aus der PR erarbeiten und sich dabei unterschiedliche Kernkompetenzen aus den Bereichen Event- und Projektmanagement sowie Teamarbeit aneignen. Das Format des aktuellen Projekts knüpfte an die Veranstaltung des Communication Camps vom vergangenen Sommersemester an, bei dem die Konzeption einer PR-Kampagne im Fokus stand. Für das aktuelle Semester wurde das oben genannte Krisen Planspiel „Merry Crisis“ entwickelt.

„Die Situation war wie in einer echten Krise unsicher und komplex. Man weiß nicht, welche Informationen stimmen und welche nicht. Die Teilnehmer standen dadurch unter großem Druck und genau dies war das Ziel“, erklärte Sandhu. Von einem Event wie diesem könnten nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Studierenden als Veranstalter viel neuen Input mit ins zukünftige Berufsleben nehmen.

About Helene Dann

ich studiere mittlerweile im vierten Semester Public Relations. Seit Oktober 2017 informier ich über das Neueste aus unserem Studiengang.