Großes Kino in der HdM

Beim Filmfestival von Cannes gezeigt und von Kritikern gefeiert, stand die Tragikomödie „Toni Erdmann“ am vergangenen Mittwoch im Mittelpunkt des ProducersDAY@HdM an der Hochschule der Medien(HdM). Der Produzent Jonas Dornbach und Drehbuchautor Ulrich Herrmann gaben Einblicke von der Entstehung des Projekts bis hin zur internationalen Anerkennung.

„Keiner hätte gedacht, dass der Film so erfolgreich wird“, erzählt Ulrich Herrmann, der als Redaktionsleiter der Krimireihe Tatort beim SWR tätig ist. Er und Produzent Jonas Dornbach waren die Gäste des ProducersDAY@HdM, zu dem am 29. November Studierende und externe Besucher eingeladen waren, hinter die Kulissen von Toni Erdmann zu blicken. Die Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht ein Special, da der ProducersDAY@HdM sonst lediglich im Sommersemester stattfindet. Auch wurde zuletzt kein Schwerpunkt auf einen bestimmten Film gesetzt, doch für Toni Erdmann wurde im aktuellen Wintersemester eine Ausnahme gemacht.

Ullrich Herrmann und Jonas Dornbach wurden von Professor BOris Michalski als Referenten des ProducersDAY@HdM eingeladen (v.l.n.r.). Quelle: Helene Dann
Die Filmemacher Ulrich Herrmann und Jonas Dornbach wurden von Professor Boris Michalski, der selbst als Produzent gearbeitet hat, als Referenten zum ProducersDAY@HdM eingeladen (v.l.n.r.). Quelle: Helene Dann

Stimmen aus der Praxis

Boris Michalski ist Professor für Medienproduktion und kreatives Projektmanagement im Studiengang Audiovisuelle Medien und organisiert den ProducersDAY@Hdm seit 2014. Dabei möchte er den Studierenden Einblicke aus der Praxis geben, denn Produktionen seien ein wichtiger Faktor in vielen Studiengängen der HdM. „Am ProducersDAY@HdM können die Studierenden lernen Prozesse von einer höheren Ebene zu betrachten und verstehen, welche Strategien dahinterstecken“, erzählt Michalski. Auch im Studiengang Crossmedia-Redaktion/Public Relations spielen vorrangig in der Lehrveranstaltung Lehrredaktion multimediale Produktionen eine große Rolle. Neben Audioelementen werden hier auch kurze Videos in crossmediale Beiträge eingebunden und auf den studiengangseigenenen Plattformen edit. und Redaktionzukunft veröffentlicht. Wer sich speziell für den Bereich Filmproduktion interessiert, hat außerdem die Möglichkeit im fächerübergreifenden Angebot Lehrveranstaltungen wie Drehbuchentwicklung oder Bildgestaltung des Studiengangs Audiovisuelle Medien zu belegen.

Der Film Toni Erdmann der Drehbuchautorin und Regisseurin Maren Ade, erzählt die Geschichte des 65-Jährigen Musiklehrers Winfried, der sich durch seinen eigenen Humor oftmals in unangenehme Situationen bringt. Nur sein Alter Ego, Toni Erdmann, mit schiefem Gebiss und zerzauster Perücke, gibt ihm die Kraft aus sich herauszukommen. Nach dem Tod seines Hundes beschließt er seine Tochter Ines in Rumänien zu besuchen, die inzwischen als Unternehmensberaterin durchgestartet ist. Vater und Tochter haben sich nach der Trennung der Eltern entfremdet und pflegen nur wenig Kontakt. Die Karrierefrau und der Hippie-Vater können unterschiedlicher nicht sein, sodass es nach Winfrieds Ankunft unweigerlich zum Streit kommt. Anstatt die ihm fremde Welt des Kapitalismus zu verlassen, verwandelt sich Winfried in Toni Erdmann und stellt Ines‘ Leben auf den Kopf.

Ein Start mit Hürden

Der Erfolg eines Filmes ist vorher nie abzusehen und bevor eine Projektidee überhaupt realisiert wird, gibt es für Produzenten und Drehbuchautoren einige Hürden zu überwinden. Dass die Finanzierung eigener Produktionen im Filmbusiness ein hartes Pflaster ist, sollen auch die Studierenden schon früh mitnehmen. Jonas Dornbach, der seit 2010 zusammen mit Maren Ade bei der Firma Komplizen Film in Berlin als Produzent und Geschäftsführer tätig ist, hat auch bei diesem Projekt eng mit der Regisseurin zusammengearbeitet. Die Finanzierung ist mit eine der größten Hürden für Arthouse-Filme. Als Arthouse werden Filme bezeichnet, die sich durch Experimentierfreudigkeit und die Abweichung von klassischen Filmmustern auszeichnen. Mit hartnäckiger Überzeugungskraft konnte das Budget von 5,2 Millionen Euro gesammelt und das Projekt umgesetzt werden. Doch als Toni Erdmann nach langen Dreharbeiten und einjährigem Schnitt auf die Leinwand kam, gab es zunächst wenig Resonanz.

Erst als die Tragikomödie beim Filmfestival von Cannes gezeigt wurde, habe er Aufmerksamkeit erhalten, berichtet Jonas Dornbach.  Toni Erdmann wurde mehrmals durch den deutschen und europäischen Fernsehpreis ausgezeichnet und erlangte als deutscher Film Aufmerksamkeit. 2017 wurde die Produktion für den Oscar in der Kategorie „nicht-englischsprachiger“ Film nominiert.Die Remake Rechte von Toni Erdmann gingen an an ein US Studio, das den Film mit Jack Nicholson in der Rolle des Toni verfilmen will.

About Helene Dann

ich studiere mittlerweile im vierten Semester Public Relations. Seit Oktober 2017 informier ich über das Neueste aus unserem Studiengang.