Verborgene Beziehungen aufdecken

Nationalsozialisten, Synchronsprecher und Sponsoren haben eine Gemeinsamkeit: Hinter ihnen stecken Netzwerke, deren Beziehungen auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Diese Beziehungsstrukturen deckten die Viertsemester des Studiengangs Crossmedia-Redaktion und Public Relations, mit Hilfe von sozialen Netzwerkanalysen auf. Im Rahmen des Innovation Day an der Hochschule der Medien (HdM) präsentierten sie ihre Ergebnisse aus acht sozialen Netzwerkanalysen:

„Sie haben die Herausforderung gut gemeistert!“, lobte Prof. Swaran Sandhu die Studierenden. Von der Ideenfindung, die bereits im dritten Semester erfolgte, der Konzeption bis hin zur Umsetzung entwickelten sie ein eigenes Projekt zur sozialen Netzwerkanalyse. Im Modul Netzwerk- und Beziehungsmanagement zählt diese Leistung als Prüfung, sodass auch CR/PR-Studierende aus dem dritten Semester die Veranstaltung für Tipps und Anregungen besuchten.

Die Viertsemester des Studiengangs CR/PR präsentierten ihre sozialen Netzwerkanalysen. | Foto: Kimberly Nicolaus
CR/PR-Studierende des vierten Semesters präsentierten ihre sozialen Netzwerkanalysen. | Foto: Kimberly Nicolaus

Wer verhalf Nazi-Verbrechern zur Flucht?

Josef Mengele, Adolf Eichmann und viele weitere Kriegsverbrecher aus dem Dritten Reich versuchten, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, sich in Sicherheit zu bringen. Die beliebteste Fluchtroute wird als Rattenlinie bezeichnet. Diese führte von Deutschland über die österreichischen Alpen nach Südtirol. Anschließend zu Italiens Hafenstadt Genua und von dort nach Argentinien.

Doch ihre Flucht bewältigten die Nazi-Verbrecher nicht allein. Über welche konkreten Personen und Verbindungen, die Kriegsverbrecher fliehen konnten, analysierte die studentische Gruppe mit Dominic Berner, Julian Greenwood, Elian Wickert, Stefanie Stoll und Luca Merkle. Für die Analyse nutzten die Studierenden ein Two-Mode-Netzwerk, in dem zwei verschiedene Arten von Knoten (Akteuren) eine Rolle spielen. Hierbei wurden Personen sowie Institutionen, wie der US-Geheimdienst CIC oder die argentinische Regierung, analysiert.

Obwohl Krunoslav Draganović als katholischer Priester augenscheinlich nicht der stärkste Akteur war, habe er eine zentrale Rolle gespielt, betonte Dominic Berner. Mit Verbindungen zum US-Geheimdienst CIC, zur Kirche, zu ehemaligen Nationalsozialisten und zur argentinischen Regierung fungierte Krunoslav Draganović als wichtige Schnittstelle im Netzwerk. Damit war der katholische Priester ein zentraler Akteur für die organisierte Flucht der Nazi-Verbrecher.

Studenten des dritten Semesters informierten sich über verschiedene Netzwerkanalysen. | Foto: Kimberly Nicolaus
Studierende des dritten Semesters informierten sich über verschiedene Netzwerkanalysen. | Foto: Kimberly Nicolaus

Gleiche Stimme aber verschiedene Gesichter

Die „Top 10“ der beliebtesten Teen-Drama-Serien war Ausgangspunkt für eine weitere Untersuchung: Anuscha Höhn, Anne-Marie Berlin, Svenja Holbeck, Laila Abdalla und Helene Dann untersuchten die Rollen deutscher Synchronsprecher. Hierfür nutzten sie ebenfalls ein Two-Mode-Netzwerk. Denn die ausgewählten Teen-Drama-Serien sind nur über ihre Synchronsprecher miteinander verbunden. Gleichzeitig weisen auch die Synchronsprecher untereinander nur Verbindungen über die jeweiligen Serien auf. „Am interessantesten war, dass es tatsächlich überall Überschneidungen gab“, erzählte Helene Dann. Weil kein Knoten (Akteur) im Gesamtnetzwerk isoliert ist, konnte die studentische Gruppe bestätigen: „Die Stimme kenne ich doch!“

Sponsoring der Formular Student Germany

Der internationale Konstruktionswettbewerb „Formular Student Germany“ (FSG) wird jährlich von Studierenden ausgerichtet. Am Hockenheimring traten die Rennwagen im Spätsommer dieses Jahres gegeneinander an. Aber welche Unternehmen unterstützen welche Teams? Gab es Unterschiede bezüglich der Antriebsart? Antworten darauf ergab die soziale Netzwerkanalyse der HdM-Studierenden Katja Stäbler, Anna-Maria Relle, Savanna Blank, Martin Granzow-Emden und Lili Oberdörfer. „Was wir interessant fanden, ist, dass Volkswagen nur Elektroteams sponsert“, berichtete Katja Stäbler. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass es mehr deutsche Teams mit einem Elektromotor als mit einem Verbrennungsmotor gab. Ebenfalls ist die geografische Nähe von Sponsoren zu den FSG-Teams auffällig.

„Das Unsichtbare sichtbar machen!“ So definierte Prof. Swaran Sandhu den Zweck dieser Methode. Teams untersuchen außerdem den Lobbyismus in der EU, den Fußball-Transfermarkt, die Rekrutierung der Spiegelredakteure, die Let’s Player Netzwerke in Deutschland sowie die Fernsehräte des ZDF.

About Kimberly Nicolaus

Ich studiere Crossmedia-Redaktion im dritten Semester. Seit Oktober 2017 liefere ich regelmäßig Updates und berichte über Veranstaltungen aus dem Studiengang CR/PR.