Digitale Updates auf dem Stuttgarter Medienkongress

Welcher Content funktioniert in sozialen Medien? Wie verändert sich Journalismus durch die Nutzung von Bots? Antworten und Einblicke in die digitale Medienwelt bot der achte Stuttgarter Medienkongress vergangenen Dienstag im GENO-Haus. Die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) organisierte mit Masterstudenten der Hochschule der Medien (HdM) Vorträge und Podiumsdiskussionen zu dem Thema „Craft Media“.

Außergewöhnliche Zutaten, verschiedene Geschmacksrichtungen und ein Prozess der Handwerkskunst seien charakteristisch für Craft Beer, erklärte Selina Marx vom Institut für Moderation Stuttgart zur Eröffnung des Kongresses. Craft Beer war Impulsgeber für das Kongressthema „Craft Media“. Schwerpunkte der Veranstaltung waren individuelle, kreative Medieninhalte sowie neue Strategien im digitalen Zeitalter. Wolfgang Kreißig, Leiter der LKF betonte: „Der Kongress will ganz bewusst nicht nur technische Entwicklungen in den Blick nehmen, sondern auch die gesellschaftlichen Auswirkungen beachten.“

Den Eingangsfilm zu „Craft Media“ produzierte das Studentenfernsehen „stufe“ von der HdM. „Ich bin kein großer Fan von YouTube-Trends“, gestand Julian Greenwood, Teammitglied der studentischen Leitung von „stufe“, denn hier stehe nicht immer die Qualität im Vordergrund, sondern reißerische Themen.

Politische Themen auf YouTube

Rayk Anders kommentiert In seiner YouTube-Sendung „Headlinez“ das aktuelle Geschehen für eine junge Zielgruppe. Dass sich Qualität auf diesem Kanal durchsetzen werde, wagte er jedoch zu bezweifeln. „Ich mache Politik auf YouTube, es gibt tausend andere Themen, die bei Jugendlichen besser ankommen“, lachte der Polit-Blogger. Chancen sehe er allerdings beim Format von YouTube-Videos. Im Gegensatz zu Fernsehbeiträgen, würden Werbe- und Moderationsblöcke wegfallen und die Länge von YouTube-Beiträgen passe sich dem Inhalt an.

Facebook-Nutzer aus der Filterblase befreien

„Der Newsfeed von Facebook ist dafür gedacht, Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten“, erläuterte Martin Giesler, Journalist und Blogger auf dem Stuttgarter Medienkongress. Er erklärte, dass dabei inhaltliche Faktoren eine große Rolle spielen, wie Witz und Emotionen. Gleichzeitig versuche der Facebook Algorithmus eine Interaktions-Historie zwischen Nutzern herzustellen. Wichtige Kriterien seien die Beliebtheit eines Posts, die Vorlieben des Nutzers hinsichtlich des Formats und die Aktualität des Beitrags. Die Folgen des Berechnungsverfahrens kritisierte Prof. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim: „Algorithmen verstärken die Filterblase, werden ständig weiterentwickelt und verbessert, gleichzeitig bleiben sie intransparent“.

Pauline Tillmann (rechts) leitete die Podiumsrunde. Von links: Valentina Kerst, Martin Giesler, Rayk Anders, Wolfgang Kreißig und Prof. Wolfgang Schweiger. | Quelle: Tobias Bosch
Pauline Tillmann (rechts) leitete die Podiumsrunde. Von links: Valentina Kerst, Martin Giesler, Rayk Anders, Wolfgang Kreißig und Prof. Wolfgang Schweiger. | Quelle: Tobias Bosch

Auf das Stichwort „Filterblase“ folgte die Podiumsdiskussion mit der Frage, wie soziale Netzwerke reguliert werden können. Auch die Bedeutung einer Selbstkontrolle im Umgang mit digitalen Medien wurde diskutiert.

Prof. Wolfgang Schweiger war der Meinung, wenn junge Menschen seriöse Medien von unseriösen nicht unterscheiden könnten, wäre ein möglicher Lösungsweg eine Art Mediensiegel. Auch Valetina Kerst, Geschäftsführerin von topiclodge, griff das notwendige Medienbewusstsein auf: „Digitale Bildung ist eine der größten Baustellen die wir aktuell haben“.

Themen-Mix für Social Media anwenden

Neben Diskussionsraum bot der Medienkongress auch ein Best-Practise-Beispiel aus dem Alltag. Wie Content in sozialen Netzwerken aussehen kann, zeigte Jasmin Wiesinger, Distributionsmanagerin bei SWR.online, in der Praxis: Das Ziel des Social-Media-Auftritts der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ sei es, eine Programmbegleitung zum Fernsehen zu bieten. Daran arbeite das zehnköpfige Social-Media-Team. Unter #VVSpass seien auf Instagram Backstageeinblicke zu sehen. Auf Facebook hingegen Quadratvideos mit Text, weil diese besser funktionieren würden, als Videos im 16:9-Format, erklärte Wiesinger. Die längeren Pranks positioniere das Social-Media-Team wiederrum auf YouTube. Twitter hingegen sei das Stimmungsbarometer während der Sendung. So gestalte sich ein Livecharakter und das Nutzerfeedback werde analysiert, argumentierte die Distributionsmanagerin.

Masterstudenten unterstützen die Organisation

Content auf sozialen Netzwerken wurde auch für den Stuttgarter Medienkongress generiert. Studenten der HdM-Master-Studiengänge Medienmanagement und Unternehmenskommunikation übernahmen verschiedene Aufgaben, von der Konzeption bis zur Umsetzung des Kongresses. Ronja Gysin, Masterstudentin für Unternehmenskommunikation, erzählt welche Aufgaben sie übernahm:

Wann ersetzen Bots die journalistische Arbeit?

„Craft Media“ entsteht nicht nur von Menschenhand. David Bochan und Moritz Gruber, Studierende der Hochschule der Medien, stellten beim Stuttgarter Medienkongress ihr Projekt „Tr3ndfood“ vor. Ein programmierter Bot verwaltet dabei vollständig einen Instagram-Account. Likes, Shares, und Kommentare sowie neue Uploads und Hashtags generiert der Bot – anstelle des Menschen. Das Ziel sei es, den Bot möglichst so zu bauen, dass ihn kein Mensch als solchen identifizieren könne, erklärte Bochan.

Prof. Boris Kühnle moderierte die Präsentation des Projekts „Tr3ndfood“, das die HdM-Studenten David Bochan und Moritz Gruber entwickelten. | Quelle: Tobias Bosch
Prof. Boris Kühnle moderierte die Präsentation des Projekts „Tr3ndfood“, das die HdM-Studenten David Bochan und Moritz Gruber entwickelten. | Quelle: Tobias Bosch

Nicht nur Studierende, sondern auch der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) nutzt Bots für die digitale Kommunikation. Vorzugsweise Verkehrsmeldungen, aber auch Nachrichten, Unterhaltung und Services bietet der SWR3 Elchbot über den Facebook Messenger. Dazu erklärte Christian Hufnagel vom SWR: „Ganz wichtig ist bei der Geschichte eine Personality aufzubauen“. Denn es sei schon vorgekommen, dass ein Nutzer den SWR3 Elchbot gefragt hatte, wann dieser denn Feierabend mache, schmunzelte Hufnagel. Allerdings müssten Bots gekennzeichnet werden, um das Vertrauen der Leser nicht zu brechen, betonte Prof. Petra Grimm als Leiterin des Instituts für Digitale Ethik an der HdM.

About Kimberly Nicolaus

Ich studiere Crossmedia-Redaktion im dritten Semester. Seit Oktober 2017 liefere ich regelmäßig Updates und berichte über Veranstaltungen aus dem Studiengang CR/PR.