Der Verkehrsdschungel Indiens – Aline unterwegs in Chennai

 

„Ich studiere am Asian College of Journalism in Chennai, weil die Technologie und das Mindset der Menschen in Indien viel fortschrittlicher ist als in Deutschland.“

Autos, Busse, Mopeds und Kühe – auf Chennais Straßen tummelt sich alles was Platz findet. Crossmedia-Redaktions Studierende Aline Spantig verbringt ein Auslandssemester in der Millionenstadt der Südostküste Indiens und beschreibt hier, wie sie am besten durch den Verkehrsjungle kommt. Alle Beiträge zum Asian College of Journalism gibt es hier.
Optionale Zebrastreifen, Linksverkehr und überall Kühe – im Straßenverkehr in Chennai ist vieles anders als in Deutschland. I Foto: Aline Spantig

Offiziell herrscht in Indien Linksverkehr. Tatsächlich wird jedoch einfach immer überall da gefahren, wo es Platz hat. Davor sind selbst Fußgänger auf dem Gehweg nicht sicher. Mit den Kopfhörern durch die Gegend spazieren ist deshalb eher nicht so angesagt. Wer trotzdem den Fußweg wählt, sollte sich darauf einstellen, dass das meistens länger dauert als es Google Maps angibt. Zum einen ist jede Straße bunt und voller Überraschungen, sodass ich manchmal vor lauter Gucken nicht vorwärtsgekommen bin, zum anderen ist es unmöglich, einfach nur geradeaus zu laufen. Obststände, Baustellen, Tiere – irgendetwas steht immer im Weg. Indien ist aber auch einfach entspannter als Deutschland, es geht nicht darum, schnell und effizient von A nach B zu kommen. Ich habe kaum Leute gesehen, die es eilig haben. Menschen, die gestresst zu Terminen oder Bushaltestelle rennen, sind eine Seltenheit. Zeit ist nicht so wichtig.

Zu viel rumschlendern konnte ich allerdings auch nicht – vor allem beim Überqueren von Straßen. Zebrastreifen dienen nur zu Deko und Ampeln sind optional. Bei großen Straßen habe ich deshalb meistens nach anderen Leuten Ausschau gehalten, die diese auch gerade auch überqueren wollen. So kam ich unverletzt an mein Ziel.

 

Weil Zeit nicht so wichtig ist, laufe ich immer zur Haltestelle ohne einen Blick auf den Busfahrplan zu werfen. Die Busse kommen wie es der Verkehr gerade zulässt. Manchmal hält dieselbe Linie gleich vier Mal hintereinander, manchmal lässt das Fahrzeug eine Stunde auf sich warten, je nachdem wie viele Kühe gerade die Straße blockieren. Dafür war ich mit einem Euro der King beim Ticketkauf. Für ein paar Cent gibt es ein nämlich bereits ein Ticket durch die ganze Stadt. Türen (und Fenster) stehen im Bus offen. Die Passagiere können unabhängig von den ersichtlichen Bushaltestellen jederzeit zu- oder aussteigen. Fernbusse in andere Städte sind ebenfalls lächerlich günstig. Eine Fahrt nach Pondicherry (3 Stunden=60 Cent) sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Der Sonnenuntergang am Bahnhof Kottupuram – Zugfahren hat in Chennai seine eigene Schönheit. I Foto: Aline Spantig

Im Gegensatz zum Buslinienverkehr ist das Schienennetz in Chennai schlecht ausgebaut. Es gibt nicht viele Strecken, dafür ist eine Zugfahrt ein besonderes Erlebnis für sich: Die Schienen verlaufen auf Brücken über den Dächern der Stadt. Auch hier gibt es keine Türen. Ich konnte meine Beine aus dem fahrenden Zug rausbaumeln lassen und den Fahrtwind spüren, während ich dem Sonnenuntergang entgegen Richtung Strand gefahren bin. Hierbei haben die Züge extra Waggons, die nur für Frauen reserviert sind. In den regulären unisex Waggons ist es mir nie passiert, dass mir Männer zu nahegekommen sind. Gelegentlich sind die Züge und Busse allerdings so voll, dass Körperkontakt nicht vermieden werden kann.

Ob per Fuß, Bus oder Zug – ich kann nur empfehlen, immer mit offenen Augen durch den Straßenverkehr zu gehen, denn im Falle eines Unfalls steht der Krankenwagen vermutlich im Stau.

Wie man aber nun mit Uber, Ola und TucTucs am besten durch Chennai kommt, beschreibt mein nächster Artikel.

Auf einen Blick: Das Asian College of Journalism
Hochschule: Asian College of Journalism, eine kleine Uni an der Süstdostküe Indiens
Stadt: riesig, bunt, laut und voller Trubel
Inhalte: ausgelegt auf Journalismus im digitalen Zeitalter, (politsch-historische) Wahlkurse frei wählbar, nichts für PR
Highlights: Berichterstattungs-Exkursion inklusive abenteuerlicher Reise durch Indien im Januar
Kosten: keine Studiengebühren, das Leben ist absolut erschwinglich
besser nicht: zu viel vom Nachtleben erwarten, aufreizende Kleidung tragen, den Monsun vergessen
 
Fragen zum Asian College of Journalism? Antworten gibt es bei Aline (as270@hdm-stuttgart.de) und Marvin (mg145@hdm-stuttgart.de)!

About CR/PR-Internationals

Austauschstudierende des Studiengangs Crossmedia-Redaktion und Public Relations veröffentlichen hier Beiträge aus der ganzen Welt unter dem Motto: Auslandssemester hautnah!