Keine PR, aber ganz viel Kommunikation in Japan

Im Studiengang Crossmedia Redaktion/Public Relations ist das Auslandssemester ein fest integrierter Bestandteil. Trotzdem ist die Anzahl der Partnerhochschulen überschaubar, die den Bereich Journalismus und Kommunikation abdecken. Während vieler meiner Kommilitonen um Auslandsplätze kämpfen mussten, habe ich mich einfach mal aus der Affäre gezogen und mir die Partnerschule auf eigene Faust organisiert. Das Sammeln der ECTS stand bei mir nur an zweiter Stelle. Denn mir war eines ganz klar: Ich möchte nach Japan!

Ob Bilder von eindrucksvollen Tempeln, Ghibli-Filme wie Chihiros Reise ins Zauberland, Besuche im Sushi-Restaurant oder Pokémon auf dem Nintendo DS: Schon seit meiner Kindheit bin ich immer wieder in Kontakt mit diesem faszinierenden Land gekommen. Und mit mir ist auch der Wunsch gewachsen, Japan aus erster Hand zu erleben.

Deswegen habe ich etwa ein Jahr damit verbracht, eine neue Hochschulpartnerschaft zu initiieren. Mit Erfolg: Ich bin die erste Studierende der Hochschule der Medien (HdM), die an der Aichi Shukutoku Universität (ASU) in Nagoya studieren darf!

„Ich studiere an der Aichi Shukutoku University, weil ein klasse Sprachprogramm angeboten wird und ich die japanische Kultur aus erster Hand erleben kann.“

Die Public Relations-Studierende Jasmin Hauer berichtet aus ihrem Auslandssemester an der Aichi Shukutoku University (ASU) in Nagoya, Japan. Alle Beiträge zur ASU gibt es hier.
Eher ruhig am Wochenende: der Campus der ASU | Foto: Jasmin Hauer

Japanisch für Anfänger

Derzeit studiere ich weder Leadership, noch International Content Production, wie es für das sechste Semester vorgesehen ist. Ich studiere die japanische Sprache. Ich nehme als Austauschstudierende am Japanese Language and Culture Programm der ASU teil. Dabei sammle ich zwar keine ECTS, dafür aber umso mehr Erfahrung.

Das Programm geht von September bis Mai und ist in zwei Semester gegliedert. Täglich gibt es Sprachunterricht in Kleingruppen. Hier stehen Grammatik, Konversation, Listening, Lesen und Schreiben und das Erlernen der chinesischen Schriftzeichen, der Kanji, auf der Tagesordnung. Dazu kommen noch kulturelle Kurse wie Ikebana, die Kunst des Blumensteckens, und Kalligraphie. Das Studium ist sehr intensiv. Jeden Tag gibt es Hausaufgaben und Vokabeltests, mit denen das Wissen überprüft wird. Dafür ist es aber auch sehr effektiv. Als ich vor etwa zwei Monaten hier ankam, habe ich trotz Grundkenntnissen große Schwierigkeiten gehabt, mich zu verständigen. Während der Einführungsveranstaltungen habe ich zum Beispiel mehr geraten als gewusst, über was geredet wurde und war ziemlich froh, wenn neben mir einer der wenigen Leute saß, die Englisch oder Deutsch sprechen können.

Mittlerweile, nach zwei Monaten, kann ich schon vieles verstehen und mich auf Japanisch unterhalten. Mit jeder Woche bemerke nicht nur ich, sondern auch meine japanischen Freunde meine Fortschritte.

Im Anschluss an das Sprachprogramm ist es möglich, frei aus dem Angebot der Universität zu wählen: Es werden auch für den Studiengang Crossmedia-Redaktion und Public Relations relevante Seminare wie Media Production oder Media Communication angeboten. Hier gilt es, sich mit der Heimuniversität über ein Learning Agreement abzustimmen, durch das man ECTS sammeln kann. Nach der Rückkehr nach Deutschland können diese Punkte dann auf das Studium angerechnet werden.

Multi-Kulti im Wohnheim

Die Aichi Shukutoku Universität hat ein International House, in dem man sehr günstig wohnen kann. Es ist nicht nur modern und sauber, es liegt auch nur fünf Gehminuten vom Campus entfernt.

Im International House lebt man mit Leuten aus aller Welt zusammen: Ob England, Belgien, Taiwan, China oder Bali, hier sind viele Nationalitäten vertreten. Ich habe mir vorher nie viel Gedanken um den asiatischen Teil der Welt gemacht, geschweige denn, viel darüber gewusst. Das hat sich geändert, seit ich hier bin. Die Chinesen zählen ihr Alter anders als wir: „In meiner Heimat bin ich schon 21 und keine neunzehn mehr.“ „Bei uns ist es immer heiß, denn es gibt es keine wechselnden Jahreszeiten“, erzählte mir eine Malaysierin. Und um nach Japan zu kommen, muss man nicht immer das Flugzeug nehmen, habe ich von einer Südkoreanerin erfahren: „Mit der Fähre von Fukuoka aus ist man innerhalb von vier Stunden in Busan.“

Trotz der vielen Kulturen muss man sich jedoch keine Sorge machen, dass die japanische zu kurz kommt: Neben den Austausch-Studenten wohnen auch immer drei Japaner im Haus, die einem vor allem zu Anfang mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Studieren an der ASU

Wer gerne seinen Auslandsaufenthalt in Japan machen würde, aber nicht gleich Japanisch studieren möchte, kann auch in der Global Communication Fakultät studieren. Hier werden englische Kurse zum Thema Gender, Kommunikation und Medien angeboten. Dieses Angebot nutzt auch Miles, ein Journalismus-Studierender aus Brüssel, der sein Auslandssemester an der ASU macht. Er selbst kam zwar ganz ohne Sprachkenntnisse nach Japan, empfiehlt aber, sich lieber schon im Voraus mit der Sprache zu beschäftigen.

Auch ich würde das jedem ans Herz legen, Japanisch zu lernen. Denn in Japan sprechen nicht viele Menschen Englisch. Außerdem ist es so einfacher, die Mentalität der Menschen besser zu verstehen. Generell ticken die Japaner anders als wir: Hilfsbereitschaft und Höflichkeit werden besonders großgeschrieben. Sie arbeiten viel und erwarten das Gleiche auch von ihren Mitmenschen. So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich auf die Berge von Hausaufgaben zurückschaue, die ich in den letzten zweieinhalb Monaten schon bewältigt habe.

Wer in seinem Auslandsemester vor allem Spaß und Zerstreuung sucht, der wird in Nagoya vielleicht nicht glücklich. Wer aber Lust hat, in andere Kulturen und die japanische Sprache einzutauchen und sich nicht scheut, auf Leute zuzugehen, ist hier gut aufgehoben.

Auf einen Blick: die Aichi Shukutohu University
Hochschule: Aichi Shukutoku University, Nagoya, Privatuniversität im Zentrum von Japan
Stadt: Hochburg der Automobilindustrie, wenig Touristen
Inhalte: Japanisch lernen und im Anschluss Wahlkurse belegen oder an der englischen Global Communication Fakultät studieren
Highlights: Japanische Kultur hautnah erfahren, Wochenendtrips, mit Koreanern, Chinesen, Engländern &&& zusammen wohnen.
Kosten: Keine Studiengebühren, günstiges Wohnheim; aber Obst und Gemüse sind teuer!
besser nicht: vergessen, im Haus die Schuhe auszuziehen und in der Regenzeit den Schirm zu Hause lassen

Fragen zur Aichi Shuktoku University und Japan? Antworten gibt es bei Jasmin (jh168@hdm-stuttgart.de) und in ihrem Japan-Blog!

 

About CR/PR-Internationals

Austauschstudierende des Studiengangs Crossmedia-Redaktion und Public Relations veröffentlichen hier Beiträge aus der ganzen Welt unter dem Motto: Auslandssemester hautnah!