Der Moot Court – Eine Prüfungsleistung der anderen Art

„Ruhe im Gerichtssaal!“, hieß es am Freitagvormittag, den 29. Juni 2017 in der Hochschule der Medien Stuttgart. Gespannt lauschten die Drittsemester Studierenden der Studiengänge Medienwirtschaft (MW), Crossmedia-Redaktion (CR) und Public Relations (PR). Der Moot Court, eine simulierte Gerichtsverhandlung, die als stellvertretende Klausur für die Fächer Recht und Medienrecht gilt, war bereits in vollem Gange.

Die Studierenden hatten sich bereits Wochen vorher auf die Präsentation ihres Plädoyers und die anschließende Fragerunde durch  Rechtsprofessor Dr. Keber und seine drei Kollegen, die selbst als Richter beschäftigt sind, vorbereitet. Die Aufgabe bestand darin, sich aktiv mit einem aktuellen Rechtsfall aus der Welt der Medien auseinander zu setzen. Hierbei konnten diese Fälle aus drei unterschiedlichen Rollen, die die Studierenden einnahmen,  erläutert werden.

Wie im realen Leben – Kläger, Beklagte, Syndikus

Tutor des Moot Courts Oliver Haug, der im vierten Semester Medienwirtschaft studiert, erklärte diese Perspektiven noch einmal ganz genau: „Eine Partei vertritt die Klägerseite, die Personen, die sich in ihren Rechten verletzt sieht. Deshalb verfassen die Studierenden, die eine Forderung stellen, vorab eine Klageschrift. In dieser wird ein Rechtsfall genau erläutert, Rechtsverletzungen aufgezeigt und Ansprüche geltend gemacht.“ Demnach wurde von den Klägern mindestens eine oder mehrere Forderungen gestellt, die es gegen den Beklagten durchzusetzen galt.

Die Beklagtenseite befände sich laut Hauck deshalb in der Verteidigungsposition. Diese verfasse eine Klageerwiderung nach dem Eintreffen der Klageschrift. In dieser würden zusätzliche Gegenargumente gesammelt, um den Standpunkt der Kläger zu entkräften. „Der Beklagte muss durch diese beweisen, warum er sich selbst und sein Handeln im Recht sieht und somit der Anspruch des Klägers nicht gegeben ist“, erzählt er weiter.

Der sogenannte Syndikusanwalt sei vergleichbar mit einer Rechtsberatung für Wirtschaftsunternehmen. Dieser versetze sich in die Lage potentieller Kläger sowie in die Lage des Unternehmens als potentiell Beklagte. Hierbei müsse der Syndikus, die Rechtspositionen beider Seiten herausarbeiten und die daraus entstehenden Handlungsempfehlungen für das jeweilige Unternehmen ableiten.

Einarbeitung über die eigene Position hinaus

Dabei sei es wichtig, dass sich die Studierenden immer in die Lage der Gegenposition hineinversetzen. „Eine saubere Klageschrift kann beispielweiße nur verfasst werden, wenn sich die Kläger auch mit den potenziellen Argumenten der Beklagtenseite beschäftigt haben“, meint Haug. Alle drei Gruppen haben somit die gleiche Aufgabe gestellt bekommen, es sei lediglich nur die Form der Abgabe, die sich leicht unterscheidet.

Zudem wird am Ende jeder Verhandlung kein Urteil gefällt. Das sei wichtig, denn so werde vermieden, dass der Druck, die Gegenseite zu bekämpfen, unter den Studierenden gar nicht erst entstehen kann. Zudem seien die Sachverhalte so komplex, dass in der Realität immer noch über die realen Fälle gestritten werde und ein kurz gefälltes Urteil im Rahmen des Moot Courts, der Diskussion und Fragestellung nicht gerecht werden könnte. Im Vordergrund steht hier eher die genaue Herausarbeitung des Sachverhalts.

Wie die Klägerseite eines Falls zum Thema „Kritische Beitragsteilung auf Facebook“, bei der Erstellung der Klageschrift und des Plädoyers vorgegangen ist, erzählt Laura Hornberger, 3. Semester CR. In dem vorliegenden Fall ging es um einen Politiker, der einen  rechtspopulistischen Text auf Facebook geteilt hatte. Dieser wurde daraufhin von einem Journalisten als Urheber des Textes betitelt. Daraufhin klagte der Politiker.:

Fenja Letsche, 3. Semester PR , gehörte in diesem Fall der Beklagtenseite an. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Fällen und Rechten konnten sie sich gut in die jeweilige Thematik einarbeiten. Sie findet diese Art der Prüfungsleistung besonders nachhaltig und nimmt für die Zukunft wichtige rechtliche Grundsteine ins Berufs- und Privatleben mit:

About Anna-Maria Ihle

Ich studiere im dritten Semester Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien. Seit März 2017 liefere ich Lesestoff direkt aus unserem Studiengang.