Forschungssemester an der Hochschule von Amsterdam

Bücherwälzen oder praktische Projekte im Forschungssemester? Was machen Professoren der Hochschule der Medien (HdM), wenn sie ein Forschungssemester anmelden und außerhalb des regulären Hochschulalltags tätig sind? Professor Lars Rinsdorf, Studiendekan des Studiengangs Crossmedia-Redaktion/Public Relations, verbringt momentan sein Forschungssemester an der Hogeschool von Amsterdam (HvA), einer der Partnerhochschulen der HdM.

Im Interview berichtet Professor Rinsdorf von seinen Erfahrungen in den Niederlanden, aktuellen Projekten und neuen Lehrmethoden:

Herr Rinsdorf, wie kann man sich diese Forschungszeit genau vorstellen? Durchforsten Sie haufenweise Bücher und Abhandlungen?

Das ist eine Möglichkeit ein Forschungssemester zu gestalten, das trifft bei mir aber nicht zu. Ich arbeite an verschiedenen Projekt mit Kollegen und Studierenden zusammen und versuche, neue Kooperationen anzustoßen und unser internationales Netzwerk zu stärken. Für mich persönlich geht meine Forschungszeit eher in die Richtung Fortbildung, indem ich mir neue Lehrformate aneigne.

Welche Themen behandeln Sie in ihrem Forschungssemester dann genau?

Meine aktuelle Arbeit ist in drei Bereiche eingeteilt. Erstmal bin ich momentan damit beschäftigt, ein internationales Projekt, den European Media Cloud Campus  zu finalisieren, da hier jetzt alle Workshops abgeschlossen sind und die Cloud im Sommer online gehen soll. Außerdem lehre ich hier an der Hochschule und halte Gastvorträge, überwiegend im englischsprachigen Minor Programm „Global Trendwatching“. Hier arbeiten niederländische und Austauschstudierende aus der ganzen Welt an einer Trendstudie für einen  Autohersteller. Als drittes beschäftige ich mich mit neuen Kooperatioen in Sachen Forschung und Lehre und versuche hier neue Zusammenarbeiten zu initiieren und zu planen.

Was erhoffen Sie sich von den neuen Kooperationen mit anderen Hochschulen?

Ziel ist die internationale Verzahnung von Projekten und Programmen von ausländischen Hochschulen mit der HdM. Wir versuchen die Internationalisierung an den Hochschulen zu verstärken, beispielsweise indem Professoren für eine Woche an Partnerhochschulen kommen und dort lehren. Das ist besonders für Studierende wichtig, die nicht die Möglichkeit haben, ins Ausland zu gehen.

Wie wollen Sie Ihre neuen Erkenntnisse in Ihren Lehrplan an der HdM miteinbeziehen?

Durch die Zusammenarbeit mit anderen Professoren bekomme ich neue Eindrücke und Ideen für Seminare mit denen ich eigene Lehrveranstaltungen noch besser machen kann. Didaktisch habe ich bereits einiges Neues gelernt, dass ich in meinem Unterricht an der HdM mit einbringen werde. Wenn ich sehe, wie hier erfolgreich gearbeitet wird, ist es auch immer eine Bestätigung für unsere Arbeit an der HdM, weil die Kollegen hier in Amsterdam ähnlich vorgehen wie wir in Stuttgart.

Gibt es grundsätzlich kulturell bedingt andere Vorgehensweisen und Einstellungen in der Arbeit in den Niederlanden?

Ja, hier herrscht eine andere Lehrkultur als in Deutschland, die auf jeden Fall auch kulturell bedingt ist. Ich finde, dass Holländer offener für Neues und risikobereiter sind. Ihre Grundeinstellung ist noch anwendungsorientierter. Das hat natürlich Vor- und Nachteile, weil mitunter  die Theorie nicht so sehr vertieft werden kann.

Inwiefern hat sich Ihr Kenntnisstand und Ihre Blickwinkel auf Ihr bisheriges Lehrgebiet verändert?

Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel habe wir auf einer Exkursion mit Studierenden von der HdM die Online-Redaktion einer Amsterdamer Wirtschaftszeitung besucht und uns deren Arbeit genauer angesehen. Außerdem setze ich mich mit Crowdfunding im Journalismus auseinander, da das auch für die Zukunft des Journalismus in Deutschland ein wichtiges Thema sein wird.

Fühlt man sich während dem Forschungssemester in seine eigene Studentenzeit als Lernender zurückversetzt?

An mein Studentenleben erinnert mich die jetzige Zeit eher weniger, da sich meine Arbeit doch sehr von dem Alltag eines Studierenden unterscheidet. Aber es ist ein bisschen wie ein neuer Job für mich, in dem man sich an neue Kollegen und andere Strukturen gewöhnen muss. Das ging mir das  letzte Mal so vor 9 Jahren an der HdM.

Was nehmen Sie außerhalb von der Hochschule für sich persönlich von ihrem Forschungssemester mit?

Kontakte im Ausland sind sehr wichtig, um sich neue Perspektiven zu schaffen und alternative Blickwinkel auf die Welt und sich selbst zu bekommen.  Es ist aufregend, sich auf ein anderes Land einzulassen und selbst zu erfahren, wie eine andere Gesellschaft funktioniert. Außerdem macht es mir gerade großen Spaß mit Niederländisch eine neue Sprache zu lernen. Ich glaube solche Erfahrungen sollte jeder machen, wenn er die Chance dazu hat.

About Julian Reitner

Ich studiere im vierten Semester Public Relations an der Hochschule der Medien. Seit Oktober 2016 liefere ich Lesestoff direkt aus unserem Studiengang.