Redakteursnachwuchs auf Exkursion

Crossmedia-Studentin Anna-Maria Ihle über ihren Besuch bei dem „Süddeutschen Verlag“ in München.

Go, go, go Anna! Dass sage ich mir während ich durch die Gänge des Münchner Hauptbahnhofs renne. Immer dabei, mein kleiner Koffer, der mich wie so oft daran hindert schnell an mein Ziel zu kommen. Ich stolpere fast über meine eigenen Füße als ich die S-Bahn in Richtung „Berg am Laim“ erreiche.  „Da versucht man pünktlich zu sein und genau jetzt, genau an diesem Tag steht die U2 an am Josephsplatz für ganze 10 Minuten still!“, nörgle ich in Gedanken vor mich hin.

Der Grund meiner kleinen Reise nach München ist die Exkursion am 05. Mai zum Hochhaus des „Süddeutschen Verlags“ (SV) und zum „Media Lab Bayern“ . Eine große Sache. Denn wer hat schon einmal die Möglichkeit, den Newsroom der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), die heiligen Hallen des „SZ Magazins“ sowie preisgekrönte Redakteure und Innovationskünstler in persona treffen zu dürfen. Wahnsinnig spannend, wie ich finde. Aber jetzt kommt es leider dazu, dass 17 weitere Dritt- und Viertsemester aus dem Studiengang „Crossmedia-Redaktion“ sowie Professorin Katarina Bader, seit zehn Minuten sehnsüchtig auf mich warten müssen. Ein Dank an die Öffentlichen.

„Berg am Laim!“, ertönt es aus den Lautsprechern der S-Bahn. Ich sehe bereits das Hochhaus in dem Journalistengeschichte geschrieben wird und renne los. Naja, so gut es mir mit meinem Köfferchen eben gelingt. Noch 100 Meter. 50 Meter. Ich habe das Gefühl einem rekordverdächtigen Sprint entgegen zu steuern.  Puh, angekommen. „Frau Ihle, endlich!“, ruft mir die Professorin bereits von der imposanten Eingangshalle aus zu.

Nachdem ich meine Atmung wieder halbwegs im Griff habe, versuche ich diese unangenehme Verspätung so schnell wie möglich zu erklären. Akzeptiert und angenommen. Jetzt aber los. Auf in den 22. Stock. Zum Newsroom, dem Herzstück der SZ, in der Zeitungs- sowie Online Content, ihren offiziellen Platz finden. Sebastian Gierke, stellvertretender Ressortleiter Politik, erklärt uns wie dieser aufgebaut ist. Aufmerksam folgen die Studierenden seinem Finger, der nacheinander auf die einzelnen Arbeitsplätze der Mitarbeiter zeigt. Dabei arbeiten hier im Onlinebereich jeweils Bild-, Social Media-, Website- und Videoredakteure.

Aus dem Leben eines Magazinredakteurs

Warm ist es hier oben. Das muss wohl daran liegen, dass die Sonne gerade auf das gläserne Hochhaus herunterbrennt. Ich frage mich was Redakteure mit Höhenangst hier oben wohl anstellen, damit ihnen nicht allein beim Anblick aus den zahlreichen Fenstern übel wird. Deswegen bin ich ganz froh, dass wir nun ein paar Stockwerke tiefer fahren um Marc Baumann, Redakteur beim SZ Magazin Online, zu treffen. Er empfängt uns etwas verspätet, da einer seiner Artikel bei der täglichen Themenkonferenz für Wirbel gesorgt habe. Nichts desto trotz will er uns in seine Welt, in die Welt der besonderen und lebhaften Geschichten des SZ Magazins entführen. Wir gehen an zahlreichen Titelbildern des Blatts vorbei, hinein in einen kleinen Konferenzsaal, der mit allerlei Karikaturen, Fotografien und Titelbildern tapeziert ist. Baumann klärt uns hier über das vielseitige Leben eines Magazinredakteurs auf.

„Ich schreibe von peinlichen Selbstversuchen, bis zu, meine Tochter weckt mich jede Nacht auf. Alles!“, erzählt er lachend über sich selbst. Da scheint sich ja mal jemand weniger ernst zu nehmen. Der Typ ist mir sympathisch. Denn im SZ Magazin gebe es keine Tabuthemen. „Hauptsache du hast das Thema sehr gut recherchiert und gecheckt, ob es bereits erschienen ist.“, fährt er weiter fort. So ist es auch für Praktikanten gar kein Problem ihre Ideen in der großen Runde anzubringen. Wenn diese vorher mit Baumann oder einem seiner Kollegen durchgesprochen wurden, stehen die Chancen auf eine eigene Geschichte also nicht schlecht. Die Regel, „Wer es vorschlägt, darf es machen!“ gilt hierbei für die eigene Bild,- Online,- Text oder Moderedaktion des Magazins.

Jedoch ist das hier mit dem „schnell“ Bericht erstatten so eine Sache. Da vieles aktuell passiert können einige Themen im Magazin von vornerein ausgeschlossen werden, weil das neue Heft erst in mehreren Wochen erscheint. So gehört das Thema, Eilmeldungen immer noch zu den Aufgaben der Zeitung. Die aber mittlerweile auch „magazinig“ erscheinen wolle. Deswegen versuche sich das SZ-Magazin in einer Zeit, in der viele Zeitungen „moderner“ sein möchten, abzuheben. Geht das denn? Eine Frage, die wir nicht mit leerem Magen beantworten können!

Was könnte da besser helfen, als dampfende Süßkartoffelrösti mit Gemüse und Avocadodip. So international wie das Angebot der SZ-Kantine ist auch unsere nächste Ansprechpartnerin, die bereits an einem der modernen Tische sitzt. Isabell Pfaff ist Außenpolitik-Redakteurin und gibt uns innerhalb der Pause einen kurzen Einblick in ihre Arbeit, bevor sie nach knappen zwanzig Minuten wieder schnell zum nächsten Termin davon eilt.

Datenjournalismus ganz groß

Mit vollen Mägen und einem wieder ausreichend gefüllten Konzentrationsspeicher geht es weiter zu Thierry Backes. Er war an der Erstellung der Multimedia Reportage „Timeline der Panik“ zum letztjährigen Münchner Terroranschlag und der darauffolgenden Massenpanik beteiligt.

Zu meinem Bedauern geht es jetzt wieder recht weit nach oben. „Bloß nicht runter schauen!“, sage ich mir, während mein Blick zu den Fenstern am anderen Ende des Besprechungssaals schweift. Thierry Backes ist zudem auch Audience Editor. Er kümmert sich um ein großes Thema: Wie kann die SZ Menschen erreichen, die nicht mehr über die herkömmliche Homepage zu kriegen sind? Eine berechtigte Frage, die Backes vor eineinhalb Jahren einen noch nie dagewesenen Job im SZ-Haus verschafft hat. Denn er schult die einzelnen Redaktionen in neuen Techniken oder hilft diesen, ihren Online Content noch besser zu verkaufen. Jedoch wollen wir mehr über seine Multimedia Reportage erfahren.

„Wir haben damals mit sehr viel Datenscraping gearbeitet.“, erzählt der Audience Editor.

Datenscraping? What’s this? Ganz simpel gesagt, sei es das Sammeln und in Form bringen von Daten. Backes und sein Team versuchten Daten, recherchier- und lesbar zu machen. Danach steht der Erstellung eines „Masterdocs“, also der fast fertigen Multimedia Reportage, nichts mehr im Wege. Hier werden vorher gesammelte Tweets, Bilder, Polizeimeldungen oder Grafiken zusammengefügt und sind bereit zum Upload.

Start Ups sind alles andere als „out“

Wow, der Input an Informationen ist heute wirklich breit gefächert. „Es geht noch weiter!“, ruft Frau Bader in die Menge. Genauer gesagt zum „Media Lab Bayern„. Einer Plattform für Visionäre und Innovationshungrige, die den Online-Journalismus vorantreiben wollen. Lina Timm, die Initiatorin, erklärt uns zwei S-Bahn Stationen stadteinwärts und fünfundzwanzig Minuten später: „Es gibt elf Trends, die wir hier im Lab mit neuen Ideen unterstützen wollen.“ Diese reichen von der Weiterentwicklung der Online-Workflows bis hin zur Nutzung von künstlicher Intelligenz als Hilfestellung im Journalismus. „Aber was für Dinge gehören zum Gründen eines Start Ups mit dazu?“, stellt sich uns die Frage.

„Also eigentlich braucht ihr nur ordentlich Motivation! Ideen und Team sind schnell gefunden.“, erzählt Timm. Denn im Media Lab gehe es darum, Menschen zusammen zu bringen, die drauf und dran sind, neue Innovationen in die Tat umzusetzen. So kommen Journalisten, Entwickler und Businessleute an einen Tisch, um die Online-Welt von morgen zu verändern.

„Wir wählen die geförderten Teams durch Pitches aus.“, fährt sie fort. „Sprich, die beste Idee bekommt eine staatliche Förderung von der bayrischen Landesmedienzentrale und ein halbes Jahr Entwicklungszeit.“ Hört sich ja mal nicht schlecht an. Auch die Resonanz scheint weitgehend positiv zu sein, denn die Mehrzahl der 13 Start Ups, die seit 2015 gefördert wurden, sind auch heute noch erfolgreich auf dem Markt vertreten.

Wenn ich mir das Ganze so anhöre, bekomme ich richtig Lust einmal selbst mein Gründerhirn anzustrengen. Aber bevor wir uns nun alle Gedanken zu einem zukünftigen Unternehmertum machen, ist es Zeit in die Realität zurück zu kommen.  Es ist mittlerweile 18 Uhr und die Sonne neigt sich mehr und mehr ihrem Untergang entgegen. Zeit den heutigen Tag zu einem Ende kommen zu lassen um über den neuen Input, der unseren zukünftigen Karriereweg bestimmen soll, in Ruhe nachzudenken.

About Anna-Maria Ihle

Ich studiere im vierten Semester Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien. Seit März 2017 liefere ich Lesestoff direkt aus unserem Studiengang.