Alles Vegan? – Eine Planspiel Pressekonferenz

Welche Fragen spielen Journalisten auf einer Pressekonferenz in die Karten und wie verhalten sich Pressesprecher, um unerwünschten Fragen auszuweichen? Am vergangenen Donnerstag konnten sich unsere angehenden Redakteure und Unternehmensvertreter des dritten Semesters im Rahmen eines Planspiels an der Hochschule der Medien diesen Herausforderungen stellen. Durch eine gestellte Pressekonferenz zum Thema „Vegan mit der Bahn“ testeten sie ihr bisheriges Können und versuchten die jeweilige Gegenseite ins Schwitzen zu bringen.

Bevor das angesetzte Planspiel jedoch beginnen konnte, war eine gute Organisation von absoluter Wichtigkeit. Deswegen beauftragten die zuständigen Professorinnen der beiden Studienvertiefungen, Frau Dr. Bader (Crossmedia-Redaktion /CR) und Frau Dr. Hassenstein (Public Relations/PR), ihre Studierenden vorab mit Aufgaben, die als Vorbereitung für die Pressekonferenz dienen sollten.

Die CR-Studierenden hatten den Auftrag Zweier Teams zu bilden, die jeweils unterschiedliche Medienhäuser darstellten. Sie konnten hierbei unter Print, Audio oder Fernsehberichtertattung auswählen. Die Teams sollten vorab die zu ihrem Medium passenden Fakten über „Die Bahn“, deren Kooperationskoch sowie über die vegane Lebensweise recherchieren, um bei der Pressekonferenz knifflige Fragen stellen zu können.

Die PR-Studierenden hingegen setzten ihren Fokus auf die Organisation der Veranstaltung. Aufgesplittet in Text-, Organisations- und Bildteam versuchten sie das Planspiel so real wie möglich erscheinen zu lassen. Mittels eines Questions & Answer Sheets notierten sich die angehenden Pressesprecher mögliche Fragen der Journalisten und überlegten sich Strategien, mit denen sie diesen geschickt ausweichen konnten.

Am Tag des Geschehens wurden die Drittsemester Journalisten förmlich vor dem Raum der Pressekonferenz empfangen. Vorab mussten diese sich nämlich, wie auch im echten Berufsleben , bei „Der Bahn“ zur Veranstaltung anmelden. Angekommen, lagen für diese eigens erstellte Pressemappen bereit, in der sich die PR-Studierenden ausführlich zum Inhalt des Events äußerten. Zudem wurde ein veganes Catering organisiert, dass die Journalisten verköstigen durften. Pünktlich um 08:30 Uhr betraten die Pressesprecher „Der Bahn“ das Event. Mit Hosenanzug oder Bluse bekleidet, stellten sich diese vor und leiteten die Sitzung mit der Rede der „Bereichsleiterin für Bordservice und Boardverpflegung“, Anne-Marie Berlin ein. Ausführlich sprach sie hier über die geplante Einführung einer veganen Produktlinie in den Zügen „Der Bahn“ und die Kooperation mit einem Vegankoch (dargestellt von Anuscha Hoehn), der im privaten Leben bereits mehrere Eskapaden hinter sich hat. Dieser erklärte nach Berlins Rede, dass er absolut motiviert sei, den ökologischen Fußabdruck „Der Bahn“ mit verbessern zu wollen.

Abwegige Fragen in der Diskussionsrunde

Nun war es Zeit Fragen zu stellen! Die CR-Studierenden hoben anfangs noch recht zögerlich die Hände, um die „Leiterin des Produktmanagements“, Paula Longin und ihre Kolleginnen auszufragen. Je nach Medienhaus mussten die gestellten Fragen nun einen Mehrwert für die Journalisten bilden. Vertreter der „Landesschau BW“ gingen hierbei gar nicht auf das Tagesthema ein und befragten die Damen zur Mitarbeiterzufriedenheit bei „Der Bahn“. So etwas kann natürlich auch im wahren Leben passieren. Hierbei galt es für die Pressesprecher, eine freundliche, jedoch auch in gewisser Art zurückweisende, Antwort zu finden. Vertreter des Wirtschaftsressorts der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gingen dahingegen auf den Kostenaspekt der neuen Produktreihe ein.

Wenig Fragen wurden dabei tatsächlich an den Vegankoch gestellt. Denn das Organisations-Team der PR-Studierenden hatte sich ihn nämlich ganz bewusst als Kooperationspartner herausgesucht. Durch seinen in Kritik geratenen Lebensstil, der ganz und gar von der Philosophie eines veganen Lebens abweicht, hatten die Pressesprecher allerlei stichelnde und auch herausfordernde Fragen von Seiten der Redakteure erwartet. Jedoch fokussierten sich  diese eher auf „Die Bahn“ als auf den skandalbehafteten Koch.

Vertiefende Interviews liefern Zusatzinformationen

Nach der offiziellen Fragerunde wurden die Vertreterinnen „Der Bahn“ in weiteren Interviews aufs Mark geprüft. Allerdings nicht in persona, sondern vertreten durch die ihre PR-Kommilitonen, die sich ebenfalls auf die Befragung der Redakteure vorbereitet hatten. Hierbei setzten sich die zwei Parteien in Zweier-Teams zusammen, um nochmals spezifischere Fragen für ihr jeweiliges Medienformat zu stellen und um detailliertere Antworten geben zu können.

Die vertiefenden Interviews waren hierbei die letzte wichtige Aufgabe der PR-Studierenden. Die CR-Studierenden mussten nun einen Artikel, Radio- oder Fernsehbeitrag innerhalb einer halben Stunde erstellen, um diesen danach bei Professorin Bader zur Ansicht und Kontrolle abzugeben. In der darauffolgenden Gruppendiskussion wurden diese Beiträge ebenfalls von der PR-Seite begutachtet. Nun konnten die Studierenden Feedback zur Veranstaltung geben und einige Kommentare zur erbrachten Arbeit der Kommilitonen los werden. Alle Seiten wurden von den Professorinnen für ihr Engagement an der Sache gelobt. „Dass was Sie hier praktisch lernen, wird Ihnen später im Berufsleben zu Gute kommen.“, erwähnte Frau Hassenstein abschließend und unterstrich den hohen Lerneffekt eines so praktischen Projekts. Mit diesen Worten verließen die rund 40 Drittsemester mit neuem Input und einem guten Gefühl die Pressekonferenz. Bereit um sich an ihre nächsten Projekte zu machen.

About Anna-Maria Ihle

Ich studiere im vierten Semester Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien. Seit März 2017 liefere ich Lesestoff direkt aus unserem Studiengang.