Prof. Kamps über Trump, Twitter und Medien in den USA

Klaus Kamps, Professor der Hochschule der Medien, studierte Politikwissenschaften, Medienwissenschaften und Neue Geschichte. Letztendlich führte sein Werdegang an die Hochschule der Medien, an der er seit 2014 im Studiengang Crossmedia Redaktion / Public Relations unterrichtet.

In der „Election Night“ vom 9. November saß Kamps teilweise auf den Podium des Deutsch-Amerikanischen Zentrums in Stuttgart, um dort mit anderen politisch Interessierten über die Wahl und deren mögliche Folgen zu debattieren.

Nach dem Amtsantritt von Donald Trump spricht Klaus Kamps über die momentane politische Situation in Amerika:

Trump an der Macht in Amerika.

Der Amtsantritt von Donald Trump schlägt große Wellen. Überrascht Sie das?

Das überrascht wohl kaum. Wenn man den Wahlkampf beobachtet hat, dann wusste man: Wenn der Mann an die Macht kommt, dann wird es lustig, gelinde ausgedrückt. Es überrascht mich auch nicht, dass er ganz schnell relativ viele seiner Ankündigungen wahrmacht – auf hoch symbolischer Ebene. Damit bedient er sein Klientel.

Wachen die Amerikaner eines Tages auf und denken sich „wen haben wir denn da gewählt“?

Amerikaner haben ein hohes Bewusstsein für politische Partizipation. Das sieht man an den Protesten. Und sie haben nach wie vor einen hohen Wertebezug. Aber das ist die eine Hälfte. Die Masse der Trump-Wähler ähnelt den klassischen Brexit-Engländern: Und von denen weiß man ja, dass sie sich jedenfalls in Teilen nach dem Ergebnis gefragt habe, was haben wir da eigentlich gewählt. Ob sich das auf die USA übertragen lässt? Anekdotisch hört man davon. Trumps Start ist ja etwas holprig. Der Rest bleibt noch abzuwarten.

Ist Twitter ein Kanal, der von Trump bewusst gewählt wird? Überspitzt gesagt versucht Donald Trump mit 140 Zeichen aus dem Twitter-Fenster heraus die Welt zu regieren?

Aber natürlich bewusst. Er versteht es sicher nicht als regieren, sondern als Ansprache an sein Volk oder seine Untertanen. Er hat schon oft gesagt, wie sehr er die Presse verachtet. Die würden sowieso nur Fakes bringen oder seine Aussagen verdrehen. Deshalb sagt er lieber direkt etwas über Twitter und schaut, welches Rauschen er da auslöst.

Aber weshalb gerade Twitter?

Durch den Wahlkampf ist ein Hype um Trumps Tweets entstanden. Mittlerweile hat er über 23 Millionen von Followern und damit eine enorme Reichweite.

Man kann durchaus anmerken, dass Trump redet wie er twittert. Jetzt ist die Frage: Regiert er auch wie er twittert? Und ja. Das tut er leider. Getreu dem Motto wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Das sind programmatische Sätze, die sie auch in ein Tweet packen können. Die aber eben als Programm dumm sind. Leider ist die Welt nur etwas komplexer als Twitter.

Haben sie dafür ein Beispiel?

Das Einreiseverbot für Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Länder hat er in einem ABC Interview begründen müssen. Sein in sich widersprüchliches Statement handelte davon, dass er die USA sichern will. Das könne man mit den Anschlägen in Orlando und dem 9/11 begründen. Und dann steht man fassungslos da. In Orlando war der Attentäter ein Afghane. Die Attentäter des 9/11 kamen aus Saudi-Arabien und Ägypten. Seine Begründung für das Einreiseverbot von Irakern, Iranern, Syrer etc. ist also schlichtweg falsch. Man sieht deutlich, dass Fakten unter Trump keine Rolle mehr spielen. Damit verfolgt er eine sehr kurzsichtige Politik; und da ist gefährlich. Denn er ist ja auch ein Mann, der keine Fehler eingesteht oder Kritik reflektiert.

Widersprüche stehen wohl für den neuen Präsidenten, aber wie viel Macht hat er denn wirklich?

Weniger als wir glauben! Die Gewalten sind in den USA viel getrennter, als das bei uns der Fall ist. Trump regiert momentan mit Dekret, weil das schneller geht und er so symbolisch Politik machen kann. Es wird interessant sein, ob sich die Republikaner weiter hinter ihn stellen oder ob er als Independent im Weißen Haus Politik machen wird. Außenpolitisch ist er derzeit sicher der mächtigste Mann der Welt. Innenpolitisch ist das nicht der Fall. Die Frage wird sein: Was und wer fängt diesen Menschen ein? Wenn er über Dekret regiert, könnte das z. B. auch die 3. Gewalt sein, die Judikative.

Dem Pressesprecher Donald Trumps hat in seiner ersten Pressekonferenz mehrmalig nachweislich gelogen. Hat die Wahrhaftigkeit in den USA einen anderen Stellenwert als in Deutschland?

Hat sie nicht. Eigentlich. Ein Beispiel: Der Pressesprecher von Bill Clinton ist bei gewissen Unterhaltungen aus dem Raum gegangen. Er wollte manche Details einfach nicht hören, um im Zweifel sagen zu können: Ich weiß es nicht. Um seine Journalistenkollegen nicht anlügen zu müssen. „Never lie to the press“ war in Amerika lange Zeit Regel Nummer 1. Man sieht Sean Spicer an, dass er ein sehr unsicherer Mensch ist. Und man merkt, dass Menschen unter Trump in Pressekonferenzen geschickt werden, mit der Aufforderung Anordnungen wortwörtlich zu verkünden und keinen Dialog mit Journalisten einzugehen. Das ist eine neue, ungewöhnliche Entwicklung.

Der US-Präsident und sein Chefstratege Stephen Bannon haben die Medien erst kürzlich scharf angegriffen. In einem Fox-News Interview bezeichnete Trump den Großteil der US-Medien als „sehr, sehr unaufrichtig“. Schon nach seinem Amtsantritt hat er von einem Krieg gegen die Medien gesprochen. Wie denken Sie, dass sich das Verhältnis zwischen Trump und den Medien weiterentwickeln wird?

Er unterscheidet. Fox ist okay, alles andere ist schlecht. Die Frage ist, wie sollen die Medien, die Trump kritisiert reagieren. Da gibt es zwei Ströme: Die einen reagieren so, wie Medien reagieren müssen: Sie berichten von den Beleidigungen. Wenn man andererseits ein kreativer Mensch ist, und das sind die Leute die zum Beispiel bei der Late Night Show arbeiten, dann liefert der Präsident immer wieder neuen Stoff, über den man sich lustig machen kann. Manchmal bleibt einem das Lachen dann nur im Hals stecken.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für andere Regierungschefs im Umgang mit dem neuen Präsidenten Amerikas?

Notwendige Strukturen aufrecht zu erhalten. Das beginnt bei notwendigen, vernünftigen Beziehungen, geht über Handelsstrukturen, Verfahren, seine Deal-Diplomatie aufzufangen um einen Handelskrieg zu verhindern.

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Beitragsbild: Pixabay.com

About Denise Blitz

22 Jahre. Kam vor über einem Jahr aus dem wunderschönen Allgäu nach Stuttgart um PR zu vertiefen. Liefert euch seit Oktober Lesestoff direkt aus dem Studiengang CR PR.