Bot vs. Maschine oder friedliche Ko-Existenz? Ein Bericht aus der Zukunft des Journalismus(?)

Ein Beitrag von Jana Schüler.

Redaktion 4.0 – Wenn Mensch und Maschine gemeinsam Inhalte produzieren

Roboter und künstliche Intelligenz halten Einzug in immer mehr Lebensbereiche des Menschen. Bisher werden sie vor allem in der Industrie eingesetzt und erledigen zumeist noch mechanische Aufgaben. Nun gibt es bereits Algorithmen, die in der Lage sind, mithilfe von Datensätzen selbstständig Content zu produzieren – und das innerhalb von Sekunden.

Frank Feulner leitet als Chief Visionary Officer die Software-Entwicklung beim Stuttgarter Textautomatisierungs-Startup AX Semantics. Er zeigte in der Ringvorlesung am 25. Oktober auf, wie Mensch und Textroboter Seite an Seite im redaktionellen Alltag arbeiten und wie sich journalistische Routinen dadurch verändern.

Eine Technologie, die verschiedene Sprachen spricht

AX Semantics ist eines von weltweit acht Unternehmen, das Software für die sogenannte natürlichsprachige Textgenerierung entwickelt. Neben Deutsch kann der Algorithmus des Stuttgarter Unternehmens noch in zwölf weiteren Sprachen Content produzieren – darunter auch in exotischen Sprachen wie Arabisch oder Türkisch. „Immer mehr deutsche und internationale Unternehmen erkennen den Wert der Roboterjournalisten. Die Nachfrage bei AX Semantics nach weiteren Sprachen steigt.“ erzählt Frank Feulner.

Vom Datensatz zum Text

Bevor der Algorithmus allerdings zum Einsatz kommt, müssen ihm Vokabular und die richtige Morphologie von einem Redakteur „antrainiert“ werden, denn zu Beginn besitzt er noch keine Sprachkenntnisse. Die Software ist darauf programmiert, ständig dazuzulernen und ist somit von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen angewiesen.

Redakteure verwenden den Algorithmus meistens für sehr datenlastige Contentformate, die im Alltag unnötig Zeit stehlen. Das verschafft dem Journalisten mehr Zeit, sich auf die anspruchsvolleren Berichte zu fokussierenFrank Feulner, Chief Visionary Officer, AX Semantics

Der Roboterredakteur und seine Einsatzorte

Ob Sportmeldungen, Produktbeschreibungen oder der Wetterbericht – der Algorithmus kann in Sekundenschnelle große Datenmengen zu fehlerfreien Texten verarbeiten. „Sportmagazine sind von der Technologie besonders begeistert. Die eine oder andere Bundesliga-Meldung stammt sogar aus der Feder unseres Algorithmus,“ erzählt Frank Feulner. Große Zeitungen wie die L.A. Times verwenden die Technologie bereits seit Jahren. Der sogenannte Quakebot liest konstant seismologische Daten aus und verfasst im Falle eines Erdbebens innerhalb von Sekunden eine Meldung.

Bot vs. Journalist

Der Algorithmus arbeitet deutlich schneller als der Mensch, kann riesige Datensätze auslesen und daraus Content produzieren. Zudem ist er weitaus günstiger und pausenlos einsetzbar. Braucht man denn dann überhaupt noch Redakteure? Frank Feulner hat darauf eine Antwort: „So wie der Mensch wird der Algorithmus wohl nie Texte schreiben können. Er kann durchaus schönen, grammatikalisch korrekten Content produzieren, aber Stilmittel wie Ironie oder Metaphern, die Texte einfach lesenswert machen, beherrscht der Roboter nicht.“

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20 Jahre alt, vertieft Public Relations im Studiengang Crossmedia-Redaktion/Public Relations an der Hochschule der Medien. „Ich liebe es, in Stuttgart zu studieren und dort zu wohnen. Trotzdem zieht es mich in meiner vorlesungsfreien Zeit stets in die weite Welt, um andere Kulturen kennenzulernen und zu verstehen.“